Wie man sich auf eine Lesung vorbereitet 3: Die Auswahl der Textstellen

(Hier der Link zu Teil 1: „Der Rahmen der Lesung“ und zu Teil 2: „Das Lesen an sich“ )

Es gibt bei Prosalesungen eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Man trägt eine oder mehrere Kurzgeschichte vor oder Auszüge aus einem längeren Text. Dieser Beitrag hier beschäftigt sich mit der Textauswahl aus einem Roman.

Zwei Dinge sind für die Textauswahl entscheidend: Der Inhalt des Textes und die Dauer der Lesung.

Die erste Entscheidung, die es zu treffen gilt, ist einfach: Liest man den Anfang des Buches vor und dann einfach weiter, oder trägt man verschiedene Textstellen vor?
a) Man liest von Anfang an vor und dann einfach weiter
Diese Vorgehensweise hat den unschätzbaren Vorteil, dass man nichts erklären muss. Je weniger Zeit einem zur Verfügung steht, desto weniger Zeit hat man, seine Welt, in der Vergangenheit liegende Motive seiner Protagonisten usw. zu erklären.
b) Liest man verschiedene Textstellen vor, hat man den Vorteil, dass man zum Beispiel mehrere Hauptpersonen vorstellen kann, auch wenn eine erst an späterer Stelle auftaucht. Außerdem kann man sich die spannendsten Stellen aussuchen – und die hoffentlich kaufwilligen Zuhörer mit einem fiesen Cliffhanger zurücklassen.
Aber Vorsicht: Wenn man es mit der Cliffhangerei übertreibt, hinterlässt man beim Zuhörer ein Gefühl der Unzufriedenheit; schließlich will man etwas für sein Geld (oder zumindest seine Zeit) geboten bekommen!

Solche Tabellen erstelle ich mir für jede Lesung und drucke sie aus. Hier mein „Blättchen“ zur meiner ersten 20 Minuten-Lesung. Wie Ihr sehen könnte, rechne ich pro Buchseite 1,5-2 Minuten, das variiert immer ein wenig und richtet sich nach der Zeichenzahl. Da hilft nur Eins: Zuhause laut vorlesen und dabei die Zeit stoppen. In Oberhausen bin ich mit den obigen Texten zuzüglich Erklärungen übrigens nur haarscharf hingekommen, da hatte ich mir etwas viel vorgenommen.

Es gibt Geschichten, bei denen nur eine chronologische Lesung Sinn ergibt; wann das der Fall ist, vermag ich nicht zu pauschalisieren, das hängt natürlich stark vom Inhalt ab.

Je weniger Zeit mir zur Verfügung steht, desto zusammenhängender lese ich meine Szenen. Bei lediglich 10 Minuten Lesezeit macht es bei meinem Buch wenig Sinn, zwei Szenen zu lesen; dann suche ich mir eine Stelle aus, die etwa 7 Minuten in Anspruch nimmt. Die restliche Zeit kalkuliere ich für Begrüßung, Einleitung und eventuelle Fragen ein.
Bei 20 Minuten Lesezeit sieht es schon besser aus, da wären zwei kurze Szenen oder eine lange drin.
Ab 30 Minuten beginnt die Sache, mir deutlich mehr Spaß zu machen: Zwei bis drei ordentliche Szenen plus Erklärungen bzw. Überleitungen sind möglich.
Am komfortabelsten ist mir eine Lesedauer zwischen 40 und 60 Minuten, wobei ich natürlich nicht die ganze Zeit über lese. Hier liegt auch der unschätzbare Vorteil, wenn man im Buch ein bisschen hin und her springt: Dadurch, dass man immer wieder zur nächsten Szene frei sprechend überleiten muss, entspannt man seine Stimme, das macht wirklich ungemein viel aus. Man kann Dinge erklären, eventuelle Zwischenfragen beantworten oder auch ein bisschen was zu der Entstehung der Szene erzählen.
Wenn ich eine Stunde lesen soll, plane ich Text für 40-45 Minuten Lesezeit ein; das kommt bei mir immer sehr gut hin. Aber auch hier richtet sich das natürlich ganz nach dem Buch. Bei „Hexenherz“ erkläre ich zu Beginn eine Menge und auch immer wieder zwischendurch. Bei einem normalen Krimi etwa wäre das weniger der Fall, da müsste man sich dann etwas anderes zum erzählen überlegen oder mehr Text einplanen.

Meiner erste Lesung über 60 Minuten sah so aus; die reine Textlesezeit betrug mit den Nummern 1-5 circa 41 Minuten, hinzu hatte ich mir – weil mir noch die Erfahrung fehlte – zusätzliche Szenen aufgeschrieben. Da ich noch nicht viel Routine hatte und auch sehr nervös war, habe ich so schnell gelesen, dass ich alle Textstellen geschafft habe, 😀 Dabei ist das viel zu viel.

Überhaupt sollte man sich sehr genau überlegen, wie lange man lesen möchte. Nicht alle Bücher sind dafür geschaffen, dass man so lange aus ihnen lesen kann, ohne zu viel zu verraten!

Letzteres kann ich jedoch nicht empfehlen. Ich bin mittlerweile sehr geübt im lauten Vorlesen, merke aber nach spätestens 45 Minuten Lesezeit, dass es dann auch genug ist.
Davon, mehr als 20 oder 25 Minuten am Stück zu lesen, rate ich generell ab. Es gibt Menschen, die so lange konzentriert zuhören können, aber die meisten (so wie ich) werden dann zappelig. Da tut eine kleine Pause, in der der Autor frei erzählt, wirklich gut. Bei längeren Lesungen wird auch manchmal eine Kaffeepause gemacht oder musikalische Darbietung geboten, das ist auch immer sehr schön, wie ich finde.

Generell gilt, dass man jede Szene auch durch eine frei gesprochene Zusammenfassung oder Nacherzählung ersetzen kann. Das lockert die Lesung auf, schont die Stimme und sorgt auch dafür, dass man mit den Zuhörern besser in einen Dialog kommt.

So fülle ich heute eine 60 Minuten-Lesung: Text für 40-45 Minuten. So bleibt genügend Zeit für Einleitung, Überleitungenen zwischen den Kapiteln, Fragen der Zuschauer etc. Und falls dann immer noch Zeit bleibt, erzähle ich einfach noch etwas, z.B. was ich wie recherchiert habe. Wie Ihr seht, habe ich den Anfang ganz als Vorlesetext gestrichen, ich ersetze ihn mittlerweile durch freie Rede.

Die inhaltliche Auswahl der Textstellen ist oft schwierig. Man möchte spannende, fesselnde Stellen vortragen, die aber andererseits nicht zu viel verraten – warum sollten die Zuhörer sonst das Buch sonst überhaupt noch? Weiter muss der Zuhörer mit den wichtigsten Fakten vertraut gemacht werden, ohne dass er damit zugetextet wird.
Wie gesagt: Nicht einfach!

Zum Glück – siehe Teil 2 – kann man sich seinen Vorlesetext ja ganz individuell zusammenschustern.
Ich kreiere mal ein Beispiel:
„Marlon betrat seine Wohnung. Mit einem Seufzer rollte er seinen Koffer unter die Garderobe, hängte seinen Schlüssel an den dafür vorgesehenen Haken in der Wand und stieß mit dem Fuß die Tür hinter sich zu. Endlich wieder daheim! Er konnte es kaum erwarten, Jürgen anzurufen und ihm die gute Nachricht zu verkünden. Ob Ninas Brief schon angekommen war? Vor lauter Müdigkeit hatte Marlon völlig vergessen, den Briefkasten zu kontrollieren. Kurz haderte er mit sich, dann beschloss er, dass diese Angelegenheit bis Morgen würde warten können.
Er zog Schuhe und Strümpfe aus, räumte alles ordentlich weg und bückte sich nach seinen Pantoffeln. Da bemerkte er es. Es nur ein Hauch, der im in die Nase drang, ein winziger Schwall, der bereits nach einem Lidschlag an ihm vorbeigezogen war. Doch diese eine Sekunde hatte gereicht. Marlon kannte diesen Duft: Katja.“

Da ja nicht jeder von Euch mein Buch kennt habe ich hier mal aufgeschrieben, welcher Art die von mir gelesenen Szenen waren.

Mit dieser Szene kann man als Leser und Zuhörer etwas, aber nicht allzu viel anfangen. Es fehlen elementar Informationen, die der Szene erst wirklich Spannung verleihen. Die elementarste Frage ist an dieser Stelle, wie der Zuhörer Katjas Anwesenheit in Marlons Wohnung einzuordnen hat: Positiv oder negativ?
Wie ist das Verhältnis zwischen Marlon und Katja?
– Ist Katja mit Marlon verwandt, oder ist sie seine Frau/Geliebte/Lebensgefährtin, eine Freundin/Bekannte, eine Geschäftspartnerin/Assistentin/Chefin/Kollegin oder WAR sie einst etwas davon?
– Wusste Marlon, dass Katja in seiner Wohnung sein würde, hoffte er es, rechnete er damit oder rechnete er in keinster Weise damit, ist sie vielleicht sogar bei ihm eingebrochen?

Je nachdem, um wen es sich bei Katja handelt, könnten andere Personen der Szene interessant werden und müssten erklärt werden.
Wer ist also Nina?
-> Wenn Nina Marlons Freundin ist und Katja ebenfalls, könnte das interessant werden. In diesem Fall sollte Marlons Beziehung zu Nina vorher erwähnt werden. Die frei vorgetragene Einleitung für diese Szene könnte also lauten:
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30, ist Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er lebt allein, ist aber seit einem halben Jahr mit Nina zusammen. Er kommt gerade von einer Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“
-> Wenn Nina Marlons von ihm getrennt lebende Frau ist, mit der er im Zuge einer Ehetherapie derzeit nur per Briefen kommunizieren darf und Katja seine Schwester ist, die einen Notfallschlüssel zu seiner Wohnung hat wäre es interessant zu wissen, wie sein Verhältnis zu ihr ist.
Die Einleitung könnte lauten:
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30 und Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er lebt derzeit von seiner Frau Nina getrennt, sie machen aber eine Ehetherapie. Marlon kommt gerade von einer Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“

-> Nina könnte Marlons Schwägerin sein, die versprochen hatte, ihm eine Einladung zur Kommunion seines Patenkindes zukommen zu lassen. In diesem Fall sollte man, vor allem wenn man auf die Zeit achten muss, die Textstelle mit Nina ersatzlos streichen.
– Nina könnte die Privatdetektivin sein, die Marlon auf seine Noch-Frau angesetzt hat, um ihr Untreue nachzuweisen. Ist Katja diese Ehefrau?
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30 und Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er hat sich vor kurzer Zeit von seiner Frau Katja getrennt und die Scheidung eingereicht. Seine Bekannte Nina, eine Privatdetektivin, soll Katja ausspionieren, um ihre Untreue zu beweisen. So könnte Marlon den für ihn sehr ungünstigen Ehevertrag aufheben lassen. In dieser Szene jetzt kommt er gerade von einer Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“

Hier dasselbe mit meinem aktuellen 60 Minuten-Lesungsplan.

(Ihr habt sicher längst festgestellt, dass ich die Einleitungen nicht in formschöner Schriftsprache verfasse. Die nützt einem nämlich bei freier Rede herzlich wenig und ich erachte es als wesentlich sinnvoller, sich seine Worte vorher so zurecht zu legen, wie man sie dann auch in der freien Rede benutzt. Elegante, kunstvoll verschachtelte und formschöne Sätze können in der schriftlichen Vorbereitung wunderbar funktionieren, sind dann aber als Gedankenstütze für freies Reden weniger zu gebrauchen.)

Auch was den ominösen Jürgen und die gute Nachricht, die es zu verkünden gilt, betrifft, kann man verschiedene Varianten durchspielen. Entscheidend ist immer, was der Leser zum Zeitpunkt, zu der er diese Szene hört, schon weiß und wissen soll. Und das hängt wiederum mit dem Text und der bisherigen wie auch der noch folgenden Textauswahl zusammen.
Informationen, die zu einem nicht weiter erwähnten Handlungsstrang gehören, haben bei der Lesung nichts zu suchen!

Hier jetzt noch einmal der Beispieltext in zwei Varianten:
1a) Einleitung:
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30, ist Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er lebt allein, ist aber seit einem halben Jahr mit Nina zusammen. Er kommt gerade von einer erfolgreichen Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“

1b) Text:
„Marlon betrat seine Wohnung. Mit einem Seufzer rollte er seinen Koffer unter die Garderobe, hängte seinen Schlüssel an den dafür vorgesehenen Haken in der Wand und stieß mit dem Fuß die Tür hinter sich zu. Endlich wieder daheim! Er konnte es kaum erwarten, Jürgen anzurufen und ihm die von dem Vertragsabschluss zu erzählen.

Er zog Schuhe und Strümpfe aus, räumte alles ordentlich weg und bückte sich nach seinen Pantoffeln. Da bemerkte er es. Es nur ein Hauch, der im in die Nase drang, ein winziger Schwall, der bereits nach einem Lidschlag an ihm vorbeigezogen war. Doch diese eine Sekunde hatte gereicht. Marlon kannte diesen Duft: Katja.“
Hier habe ich Nina gänzlich herausgestrichen und den Satz mit Jürgen leicht verändert. Dass es sich bei der guten Nachricht um einen Vertragsabschluss handelt, wird sicher an späterer Stelle noch im Buch erwähnt, aber da haben ja die Zuhörer jetzt nichts von, daher gibt es diese Information hier. Ebenso könne man hier bei Bedarf einstreuen, wer Jürgen ist („seinen Bruder Jürgen“, „seinen Chef Jürgen“ etc.).

Nun eine andere Variante:

2a) Einleitung
„Jetzt lernen Sie Marlon kennen. Marlon ist Mitte 30 und Buchhalter einer mittelgroßen Firma für Baustoffe. Er hat sich vor kurzer Zeit von seiner Frau Katja getrennt und die Scheidung eingereicht. Seine Bekannte Nina, eine Privatdetektivin, soll Katja ausspionieren, um ihre Untreue zu beweisen. So könnte Marlon den für ihn sehr ungünstigen Ehevertrag aufheben lassen. In dieser Szene jetzt kommt er gerade von einer Dienstreise aus Frankfurt nach Hause.“
2b) Text:
„Marlon betrat seine Wohnung. Mit einem Seufzer rollte er seinen Koffer unter die Garderobe, hängte seinen Schlüssel an den dafür vorgesehenen Haken in der Wand und stieß mit dem Fuß die Tür hinter sich zu. Endlich wieder daheim!  Ob Ninas Brief schon angekommen war? Vor lauter Müdigkeit hatte Marlon völlig vergessen, den Briefkasten zu kontrollieren. Kurz haderte er mit sich, dann beschloss er, dass diese Angelegenheit bis Morgen würde warten können.
Er zog Schuhe und Strümpfe aus, räumte alles ordentlich weg und bückte sich nach seinen Pantoffeln. Da bemerkte er es. Es nur ein Hauch, der im in die Nase drang, ein winziger Schwall, der bereits nach einem Lidschlag an ihm vorbeigezogen war. Doch diese eine Sekunde hatte gereicht. Marlon kannte diesen Duft: Katja.“

Die Sätze, die sich auf Nina beziehen bleiben drin, der mit Jürgen fällt raus, weil er in dieser Variante an dieser Stelle überflüssig ist und den Zuhörer nur vom Wesentlichen ablenkt.

Hier habe ich versucht, meine Notizen für Euch in eine lesbare Form zu bringen, 😀 So ungefähr ist mein Lesungsablauf hinsichtlich reiner Lesung und freier Erzählung. Diese Auflistung ist allerdings nicht starr, sondern dient mir lediglich als Gedankenstütze.

Welche Textstellen man auswählt, muss man individuell schauen. Verallgemeinert bieten sich meist Textstellen an, in denen …
– der Hauptcharakter der Geschichte vorgestellt wird
– der Antagonist vorgestellt wird
– es besonders spannend zugeht
– der (Haupt-)Konflikt des Charakters sichtbar wird
– es besonders witzig zugeht
Diese Liste ist natürlich erweiterbar.

Es gibt immer Ausnahmen, aber ich rate davon ab, zu lange innere Monologe vorzutragen! Was einen beim Lesen in höchstem Maße in den Bann ziehen kann, kann beim Vortragen ganz gehörig schief gehen. Jeder sollte versuchen, sich an seine Schulzeiten zu erinnern und daran, was ihm am besten gefallen hat: Wenn ein Lehrer die ganze Schulstunde lang vor sich hindoziert hat, oder wenn es Abwechslung und „Action“ gab.
Meist eher Letzteres, oder?
Genau eine solche Mischung empfehle ich deshalb für die ausgewählten Textstellen: Das Verhältnis zwischen Dialogen und Handlung sollte – wie überhaupt fast immer – möglichst ausgewogen sein.

Stellt Euch vor, Ihr wärt der Zuhörer: Was würde Euch bei dem Buch am meisten interessieren? Oder fragt jemanden, der Euer Buch gelesen hat, welche Textstelle er besonders witzig, spannend, interessant fand.
Manche Autoren und Autorinnen haben bei Lesungen Angst, zu viel zu verraten oder schon das beste Pulver zu verschießen, aber das ist Quatsch: Natürlich sollt Ihr nicht schon bei der Lesung verraten, wer den Mord begangen hat, welche Motive der soziopathische Mörder hatte, dass Simon und Nadja zusammenkommen oder Fabian seine Angst überwindet. Aber bis auf die Hauptauflösungen seid Ihr fast vollkommen frei.
Denkt daran, dass die Auswahl Eurer Textstellen die eine Chance ist, Euer Buch den Zuhörern zu präsentieren. Niemand wird Euer Buch kaufen, weil er hofft, dass es noch besser ist, als Ihr es vorgestellt habt, oder?

Zusammenfassung:
– Die Textauswahl richtet sich nach Inhalt und Dauer der Lesung
– Für den Zuhörer hier und heute überflüssige Informationen sollten weggelassen werden
– Frei vorgetragene Übergänge zwischen den Szenen bieten der Stimme des Autors und den Ohren der Zuhörer Erholung
– Die Textstellen sollten sowohl Dialoge, als auch Handlung beinhalten
– Übt die frei vorzutragenden Teile praxisnah – elegant vorformulierte Sätze in Schriftsprache nützen Euch da nichts.
– Lieber die Lesungen fünf Minuten früher beenden, als mit einer Textstelle nicht fertig werden
– Eure Chance, die Leser zu von Eurem Buch zu überzeugen, ist hier und jetzt!

Ich hoffe, das war Euch hilfreich und ich habe jetzt nichts vergessen; ansonsten könnt Ihr einfach per Kommentar nachfragen. 🙂
Im nächsten Teil geht es dann um Dinge, die bei einer Lesung schief gehen können, wie man sie vermeiden kann oder wie man mit ihnen umgeht.

Wie man sich auf eine Lesung vorbereitet 2: Das Lesen an sich

(Hier der Link zu Teil 1: „Der Rahmen der Lesung„)

2. Das Lesen an sich
Wie bereitet man sich auf das Lesen an sich vor?
Meine erste Lesung, die über das Vorlesen von Gute Nacht-Geschichten u.Ä. hinausging war beim Vorlesetag in einer Grundschule und hatte nicht das Geringste mit meinen eigenen Texten zu tun. Ich las 3×20 Minuten – und hatte es mir irgendwie einfach vorgestellt, 😀
Halskratzen und eine raue Stimme waren die Folge, da half auch die Flasche Mineralwasser wenig. Was war passiert?
Ich hatte schlicht und ergreifend unterschätzt, wie lange so eine Stunde Vorlesezeit wirklich ist, zumal ich zu dem Zeitpunkt noch ungeübt war. Im Folgejahr klappte es schon besser und dieses Jahr dürfte ich da gar keine Probleme mehr mit haben, 😀
Das laute Vorlesen zu üben, ist also schonmal eine gute Idee.

Manche Kollegen und Kolleginnen schwören ja auf stilles Wasser mit einem Stückchen Ingwer drin, aber das habe ich noch nicht ausprobiert. Mir genügt etwas (stilles!) Wasser in Greifnähe, idealer Weise mit einem Glas dabei. Man sollte nie unterschätzen, wie trocken der Mund beim lesen werden kann!

Ein weiterer, wichtiger Aspekt ist die Leseposition. Man sollte sich zwar nicht hinlümmeln, aber doch beim Lesen wohlfühlen. Ohne Tisch geht gar nicht!

Wie im Sternsaal bei der Lesung für die KÖB Allagen lese ich am liebsten: Im Sitzen hinter einem Tisch. 🙂

Man sollte nie unterschätzen, wie vorteilhaft so ein Tisch ist: Man kann seine Sachen darauf oder darunter abstellen, sich auf ihm abstützen und hat auch sein Wasser darauf parat. Außerdem ist so ein Tisch laienpsychologisch gesehen ein Schutz. Nicht, dass man vor seinen lieben Zuhörern beschützt werden müsste, aber man fühlt sich dann einfach besser.

Hier bin ich in Beckum und lese an/hinter/neben/wie auch immer einem Stehtisch. Ist nicht so mein Fall, aber besser als gar kein Tisch!

Viele Autoren sind irgendwann so routiniert in Sachen lesen, dass sie zu schnell vorlesen. Da man den Text bzw. die Textstellen, die man vortragen möchte, eingehend übt, ist das ja auch kein Wunder, sondern eine typische „Autorenkrankheit“ – doch was kann man dagegen tun?

Sich beim vorlesen filmen lassen
Man selbst hat immer eher das Gefühl , zu langsam zu lesen, dabei liest man in Wirklichkeit oft bereits zu schnell. Sieht und hört man sich dann selbst mal lesen bekommt man einen guten Eindruck von der eigenen Vorlesegeschwindigkeit.

Sich alle paar Absätze „Langsamer!“ in den Text schreiben
Funktioniert bei mir nur bedingt, aber einige Kollegen und Kolleginnen schwören drauf!

Sich den Text in größerer Schrift ausdrucken
Das soll angeblich auch helfen, bei mir nicht. Vielleicht sollte ich den Text im Gegenteil  KLEINER ausdrucken – da kurzsichtig draufkniepen zu müssen würde meinen Vorlesefluß sicher etwas bremsen, 😀

Sich von Zuhörern und/oder Kollegen/Kolleginnen regelmäßig Rückmeldung holen
Einfach mal die Zuschauer fragen: Wie habe ich gelesen? Wenn andere vorlesen überlegen, ob einem das Vorlesetempo angenehm ist und ob man selbst schneller oder langsamer liest. Vor allem auch in den Pausen auf das hören, was Zuschauer sagen: Oft tauschen die sich nämlich in den Pausen untereinander darüber aus, wie ihnen die Lesung bis jetzt gefällt.

Hier lese ich in Frankfurt/Dreieich einen „vormodelierten“ Text aus meinem Buch. So muss ich mir beim Lesen keine Gedanken machen, ob ich dieses wirklich weglasse oder was jene Markierung zu bedeuten hat.

Unabhängig von der Lesegeschwindigkeit bin ich mittlerweile ein großer Fan davon, mir den vorzulesenden Text auszudrucken. Das liegt einfach daran, dass ich selten einen „echten“ Text vorlese. Lese ich aus meinem Buch, kürze ich die Szenen meistens, entweder aus Zeitgründen, weil sie Informationen enthalten, mit denen der Leser hier und jetzt nichts anzufangen weiß oder weil sie zu viel verraten. Oder einfach aus dramaturgischen Gründen. Auch Kurzgeschichten müssen manchmal qualvoll gekürzt werden, weil das Zeitfenster sonst einfach nicht ausreicht. (Faustformel: Es ist IMMER besser, einen Text im Vorfeld zu kürzen, als ihn herunterzurasseln zu müssen!)
Daraus ergeben sich zig Striche und Verweise, Pfeile, Markierungen, Seitenblättern … Irgendwann wird es einfach unübersichtlich.

So sieht mein Vorleseexemplar mittlerweile von Außen aus. Innen wird es noch komplizierter …

Dann lieber den gerafften, gestrafften und zusammengeschriebenen Text ordentlich im Schreibprogramm zusammenstellen und ausdrucken.
Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass man den Text dann besser auf seine Vorlesbarkeit hin bearbeiten kann.
Es gibt Wörter, die sich ganz wunderbar lesen, aber fürchterlich aussprechen lassen. Außerdem – man frage mich bitte nicht, wieso – stolpern einige von uns über die einfachsten Wörter und normalsten Textstellen. Das merkt man ja, wenn man die Textstellen laut lesen übt, und kann dann die Stelle beim Vorlesetext einfach ändern.

Beispiele aus der Praxis:
– An einer Stelle ist bei „Hexenherz – EZ“ von einem Revolver die Rede. ich sage stattdessen aber beim Vorlesen immer „Knarre“. Einfach, weil es zu der Vorlesesituation und der Art WIE ich lese besser passt. Geschrieben sieht der Revolver allerdings deutlich hübscher aus, 😀

–Das zweite Beispiel betrifft fast jeden Text: Dialoge.
Es gibt sie, jene begnadeten Autoren und Autorinnen, die mit ihrer Stimme perfekt die unterschiedlichsten Charaktere nachmachen können. Aber spätestens, wenn ein Mann eine Frau „spielt“, die Situation anders herum ist oder ein Erwachsener ein Kind nachmacht, kann das ganz schnell lächerlich werden. Von daher sollte man sich als Normalsterblicher (wie gesagt gibt es Menschen, die können das perfekt!) lieber von allzu viel Modulation in der Hinsicht fernhalten. Stattdessen halte ich es für besser, mit Ergänzungen zu arbeiten.

Im Originaltext steht zum Beispiel:
„Das ist in Ordnung“, sagte Antonia und wandte sich um. „Ich fange schonmal an.“
„Alles klar.“ Sebastian nickte. „Dann lass uns loslegen!“
„OK.“
„Möchtest Du das Rote oder das Grüne?“
„Rot bitte. Oder möchtest Du das?“
„Nein danke, ich hab ja schon das Blaue, danach kümmere ich mich dann noch um das Grüne!“

Spätestens an dieser Stelle hätte ich in einem Buch schon nachgezählt, wer jetzt nochmal genau am Ende was gesagt hat. Beim Zuhören, also ohne visuelle Stütze, wäre dieser Text nahezu unverständlich.
Daher empfehle ich zum einen, wann immer möglich direkte Reden am Stück vorzulesen.
„Das ist in Ordnung. Ich fange schonmal an“, sagte Antonia und wandte sich um.

Außerdem würde ich so viele direkte Reden wie möglich mit Zusätzen versehen, selbst wenn es sich dabei um das in der Schriftsprache eher verpönte „sagte er/sagte sie“ handelt.
„OK“, sagte Sebastian.

„Antwortete“ ist auch so ein Klassiker, aber hier muss ich gestehen, dass ich beim Vorlesen meistens über dieses Wort stolpere und es daher vermeide, siehe oben.

Insgesamt würde ich den obigen Text zum Vorlesen so abwandeln:
„Das ist in Ordnung“. Ich fange schonmal an“, sagte Antonia und wandte sich um.
Sebastian nickte. „Alles klar. Dann lass uns loslegen!“
„OK.“
„Möchtest Du das Rote oder das Grüne?“, fragte Antonia.
„Rot bitte. Oder möchtest Du das?“
Antonia winkte ab. „Nein danke, ich hab ja schon das Blaue, danach kümmere ich mich dann noch um das Grüne!“

Zusammenfassung:
– Zuhause das LAUTE Vorlesen üben
– Immer Wasser parat haben
– Auf einen Tisch bestehen
– Das Vorlesetempo testen
– Den Texte gegebenenfalls der Lesung anpassen
– Stolperwörter vermeiden
– Dialoge in „Hörform“ bringen
Verständlichkeit geht beim Vorlesen über Eleganz!

Im nächsten Teil geht es dann um die Dauer der Lesung und die Auswahl der Textstellen. 🙂

Wie man sich auf eine Lesung vorbereitet 1: Der Rahmen der Lesung

Wie bereitet man eine Lesung vor?
Natürlich meine ich damit nicht, was man anziehen soll (etwas Vernünftiges) oder wann man erscheinen sollte (überpünktlich), es geht um die inhaltliche Vorbereitung.

Es gibt 4 elementare Dinge, die dabei eine Rolle spielen: Der Rahmen der Lesung, das Lesen an sich, die Dauer der Lesung und die Frage, welche Textestellen man liest.
Nachtrag: Ich werde auch noch etwas zu Problemen bei einer Lesung schreiben.

1..Der Rahmen der Lesung
Checkliste in wilder Reihenfolge:
a) Wann findet die Lesung statt?
b) Wo findet die Lesung statt?
c) Was für eine Art Lesung ist es?
d) Aus was für Menschen wird das Publikum wohl bestehen?
e) Liest man allein?
f) Ist es eine „Verkaufslesung“ oder eine „Spaßlesung“?

Die ersten Punkte haben direkten Einfluss auf die Art des Textes, den man liest. Der erste Gedanke ist natürlich immer, aus seinem Buch vorzulesen. Es gibt Autoren, die auch tatsächlich „nur“ Romane schreiben. Ebenso gibt es solche, die „nur“ Kurzgeschichten schreiben. Beides ist vollkommen in Ordnung, aber man sollte sich schon die Frage stellen, ob der jeweils gewählte Text auch zu der Art der Vorlesung und zum Ambiente passt.

Ein Beispiel aus der Praxis:
Es ist nicht so lange her, dass ich bei einer wunderbaren Veranstaltung, dem „Lesen am Tresen“ im Don, einer lippstädter Bar lesen durfte. Das Ganze fand an einem Freitag Abend statt. Die Zuhörerschaft bestand aus überwiegend (aus meiner Perspektive :D) jungen Leuten. Die Stimmung war toll und da man für die Veranstaltung auch Eintritt zahlen musste, konnte man getrost davon ausgehen, dass zumindest die meisten einem auch zuhören würden. Jeder sollte 10-15 Minuten lesen dürfen.
Sobald ich die Wörter „Lesung“ und „10 Minuten“ höre, denke ich automatisch an die Kneipenszene aus „Hexenherz – EZ“, eine meiner Lieblingsszenen, die leicht gekürzt ein wunderbares 10 Minuten-Stück ergibt. Außerdem – so dachte ich – würde sie ja auch inhaltlich zu der Lokalität passen. Vom Inhalt her ist die Textstelle halb ernst, halb amüsant, also passt schon!

Ich hatte allerdings vollkommen unterschätzt, dass es Freitag Abend ist und die Leute einfach Spaß haben wollen! Ich hatte ein tolles Publikum und viel Applaus, aber im Nachhinein habe ich mich geärgert und gefragt, ob ich mit einer Kurzgeschichte nicht wesentlich besser gefahren wäre. Wenn man aus einem Roman vorliest, hat man meistens nur zwei Möglichkeiten: Man liest den Anfang vor oder man liest mitten aus dem Buch. In dem Fall müsste man den Zuhörern dann erst etwas erklären. Möchte man das bei einer solchen Veranstaltung?
Versteht mich nicht falsch, es war supertoll und vor allem die Slammer grandios! Aber das nächste Mal wähle ich meinen Text geschickter aus. Eine Kollegin hatte etwa eine lustige Kurzgeschichte gelesen und ein Kollege amüsante und intelligente kleine Reime – ebenso wie die Slams war das perfekt für so einen Abend!
Natürlich hat man gerade als Debütant das Bedürfnis, erst einmal das Buch zu „pushen“. Ob das aber immer so klug ist und ob man nicht doch besser manchmal auf einen anderen Text ausweicht und so zeigt, dass man allgemein gut schreiben kann, muss man eben schauen.

Die (Lese-)Bühne im DON. Erst lasen wir davor und dann – mit Kletterei – dahinter. War ein toller Abend – Danke an Maximilian, Ronja sowie das gesamte DON-Team, alle Mitvortragenden und das tolle Publikum! 🙂

Die Frage, ob man allein liest oder nicht ist natürlich elementar. List man zusammen mit Kollegen und Kolleginnen, muss man logischer Weise die Lesereihenfolge beachten. Man könnte sowohl stundenlang darüber diskutieren, welcher Leseplatz der strategisch beste ist, aber das habe ich mir immer schon gespart. Ich denke, am wichtigsten sind Stimmigkeit und gute Laune! Daher frage ich stets, ob einer freiwillig „eröffnen“ möchte. Je erfahrener ein Autor oder eine Autorin, desto besser könne sie in der Regel das Publikum begrüßen und die ganze Lesung einleiten. Und davon profitieren dann alle.

Im Idealfall ist das Motto der Lesung irgendwie vorgegeben, sei es thematisch (Z.B. „Unheimliche Geschichten“) oder nach Genre (z.B. Fantasy, Krimi). Hier kann es Sinn machen, das Lesungsprogramm möglichst abwechslungsreich zu gestalten, also thematisch ähnliche Geschichten oder Texte mit Abstand lesen zu lassen.

Wenn einfach „nur“ aus verschiedenen Büchern gelesen wird, ist es umso wichtiger, sich vor dem Lesen vorzustellen und so den Zuhörern die Möglichkeit zu geben, das soeben gehörte kurz zu „verdauen“ und sich auf die nächste Lesung einzustellen. Kurze Pausen sind immer besser als eine hastige Abfolge. Nach längeren Texten würde ich generell eine kurze Pause einlegen. Wir alle wissen wohl noch aus Schulzeiten, dass langes Zuhören am Stück ermüdend ist. 20, maximal 30 Minuten sind unsere Komfortzuhörerzeit, aber darauf gehe ich noch ein.

Eine meiner bislang coolsten Locations: Ein Kino! Links die Zuschauerplätze, rechts die Bühne.

Bliebe die letzte Frage: Liest man aus Spaß oder um seine Bücher zu verkaufen?
Beides natürlich, 😀
Liest man außerhalb einer Messe, sollte man immer versuchen, sich einen Büchertisch oder etwas in der Art zu organisieren, wo man seine Bücher ausstellen und verkaufen kann. Meiner Erfahrung nach ist es von großem Vorteil, wenn man auch Visitenkarten, Lesezeichen oder Ähnliches zum kostenlosen Mitnehmen anbietet. Viele Menschen kommen zu einer Lesung, um einen schönen Abend zu haben und nicht unbedingt, um etwas zu kaufen. Oder sie wollen in Ruhe überlegen, ob und wenn ja welches Buch sie kaufen möchten. Da kann eine Gedächtnisstütze nicht schaden. 😉

Zusammenfassung:
– Die Natur der Lesung würdigen
– Sich mit den anderen Vorlesern abstimmen
– Nicht zu lange am Stück lesen
– Bücher zum Verkauf und Visitenkarten/Flyer zum mitnehmen auslegen

Im nächsten Teil geht es dann um das Vorlesen an sich. 🙂

Zettel, die (keine) Leben retten

Endlich wieder Blog! Vor lauter Marketingaktionen (Ich werde derzeit so oft interviewt, dass ich gar keine Lust mehr habe, „Ich werde interviewt“ beim Haareföhnen zu spielen, 😉 😀 ) komme ich kaum noch dazu, hier Beiträge zu verfassen. Zudem hält mich der nächste Hexenherzweltroman ziemlich auf Trab.

Worin aber läge der Vorteil, das Blog einer Autorin zu verfolgen, während diese ein Buch schreibt, wenn sie nicht auch über den Schreibprozess schreiben würde?
Eben.
Also heute endlich mal wieder ein Beitrag über das Schreiben.

Ich bin großer Fan von Zetteln. Irgendwo las ich mal vor Jahren einen Tipp für die Menschen, die es abends im Bett nicht schaffen abzuschalten und einzuschlafen: Man solle sich Zettel und Stift neben dem Bett platzieren und etwaige Gedanken aufschreiben, „sich aus dem Kopf schreiben“. Das funktioniert tatsächlich ganz prima, nur dass ich nicht zu Zettel und Stift, sondern zum Handy greife.
Überhaupt notiere ich mir sehr viel in meinem Handy, einfach über die „Termine“-Funktion des Kalenders. Den Alarm setzte ich dann einfach für in ein paar Tagen und wenn mein Handy dann freundlich brummt, kann ich die Notiz übertragen oder den Wecker noch einmal weiterstellen.

Meine Pinnwand ist mir heilig. Jeder gute Gedanke, jede zündende Idee wird auf kleinen Zetteln festgehalten und fachfraulich aufgespießt, siehe Beitragsbild. Falls der ein oder andere hier dazu neigt – wie ich früher – zu denken „Ach, das werde ich mir schon merken!“, so muss ich die- oder denjenigen leider enttäuschen: das wird nichts!
Wenn man nicht gerade Gedächtniskünstler ist, verblassen unsere Erinnerungen mit der Zeit, das ist einfach so (und führt dazu, dass ich sicher bei der Hälfte meiner Uniaufzeichnungen nicht mehr weiß, was ich mir mit den Stichpunkten eigentlich sagen wollte, 😀 ). Es geht doch nichts darüber, Dinge einfach mal VERNÜNFTIG aufzuschreiben – das ist zwar etwa mehr Arbeit, aber die ist eine gute Idee doch wert, oder?

Auch während des Schreibens kommen mir immer wieder Ideen. Oder mir fällt etwas auf, worauf ich unbedingt achten muss.
Ein kleines Beispiel:
Ich  habe eine weibliche Figur mit wunderschönem, langen, roten Haar entworfen. Rund die Hälfte des Buches geht das auch gut, dann jedoch – machen wir es mal ganz klassisch – baut unser Mädel – ich nenne sie einfach mal Susanne – Mist und Frank – ihr Freund – macht mit ihr Schluß.
Susanne stürzt in ein tiefes Loch, durchlebt ein paar typische Phasen nach der Trennung und tut dann, was Frauen oft in so einem Fall tun: sie geht zu m Friseur.
Eine Änderung muss her, ein Neuanfang! Der ist in Susannes Fall nur noch kinnlang und zudem schwarz gefärbt – warum auch nicht.
Dummer Weise jedoch habe ich mich so an Susanne und ihr altes Ich (welches ja nicht einfach so verschwindet) gewöhnt, kenne sie in- und auswendig, dass ich sie vor meinem inneren Auge noch mit langen, roten Haaren visualisiere.
Das ist dumm, wenn man dann etwas schreibt, wobei diese Haare vorkommen: Wenn sie Susanne plötzlich missmutig das Haar zu einem langen Zopf flicht, der einer blutigen Peitsche gleicht … merkt man das als Autor nicht unbedingt, der Leser aber schon.
Deshalb würde ich im Fall einer Susanne ganz einfach nach dem Friseurbesuch auf einen Zettel schreiben: „Susanne jetzt halblange schwarze Haare“. Simpel, aber effektiv.

Im Laufe eines Schreibprojektes sammeln sich so immer mehr und mehr Zettel an meiner Pinnwand an. Habe ich das Buch (vorerst) beendet, erfolgt die Nacharbeit. Die Zettel „abzuarbeiten“ ist wichtiger und fester Bestandteil: Ich nehme mir jeden einzelnen vor und prüfe nach, ob ich mich an das gehalten habe, was darauf steht. Falls nicht, ist es jetzt noch problemlos möglich, das nachzuholen.

Mein makaberster Zettel lautet übrigens „XXX ist tot!!!!“
Der Hintergrund war folgender: Ich hatte bereits mit der Arbeit an dem nächsten Buch begonnen, als mir eine Freundin sagte, sie hätte der Tod von X so traurig gemacht. Ich hielt inne – X ist tot?
Ja, stimmt ja. Leider, denn die Figur war mir sehr ans Herz gewachsen. So gut, dass ich sie beim nächsten Mal wieder unbedingt dabei haben wollte, 😀
(Dass ich den Tod dieser Figur „vergessen“ hatte spricht wohl Bände über die Mortalitätsrate unter meinen Protagonisten, 😀 )

Mittlerweile habe ich schon „angebaut“, weil meine Pinnwand einfach voll ist. Ich spieße gerne Zettel auf, mag aber auch diese kleinen Klebezettel. 🙂
Es ist kein Problem, ein aktuelles Bild hier zu zeigen, meine Notizen sind nämlich in einer der kompliziertesten Geheimschriften codiert, die es gibt: meiner Handschrift! 😉

 

 

Fehlerblindheit 1: 5 Gründe, aus denen Fehler entstehen können

Es ist nahezu unerlässlich, seinen eigenen Text von jemand anders nachschauen zu lassen. Erster „Ansprechpartner“ dafür ist die Taste F7, mit der man die Rechtschreibüberprüfung der gängigen Schreibprogramme aktiviert.
Leider reichen die nicht aus. Warum, erkläre ich später.
Dann sollte man seinen Text mindestens (!) einem Testleser in die Hand drücken; wird das Geschriebene hochoffiziell verlegt, kümmert der Verlag um die genaue Durchsicht des Textes (Korrektorat).

Die spannende Frage ist, warum man (Ausnahmen mag es geben) überhaupt andere benötigt, um ein Manuskript in Hinsicht auf die Rechtschreibung fehlerfrei zu gestalten? Dumm sind wir doch nicht und beherrschen unsere Muttersprache – oder nicht?

Ich erinnere mich mit Grauen und Lachen an meine Magisterarbeit. Ich fand sie recht gelungen und gab sie eigentlich eher „pro forma“ an eine Testleserin zur Durchsicht. Das Ergebnis war niederschmetternd: Fast jede Seite war mit dem Rotstift verunstaltet worden und neben zahlreichen markierten Fehlern fiel vor allem eine Anmerkung auf: „Unverständlich!“

Das ist lange her, aber ich weiß jetzt noch, wie ich damals aus allen Wolken fiel. Dieser Effekt, dass bei einem selbst „im Kopf“ alles verständlich ist, aber „da draußen“ überhaupt nicht, ist leider sehr verbreitet, dazu werde ich an anderer Stelle etwas schreiben.
Warum aber strotzte meine Magisterarbeit nur so vor Fehlern? Ich hatte ein paar Mal die Rechtschreibüberprüfung durchlaufen lassen und sie mir in Ruhe angeschaut. Zum ausdrucken zu Nachschauzwecken fehlte damals schlicht das Geld, aber – so dachte ich – bin ich ja als Abiturientin mit Deutsch-Leistungskurs durchaus in der Lage, fehlerfrei zu schreiben.

Durch die Schreiberfahrung der letzten Jahre kann ich heute ganz klar sagen, wo meine Schwachstellen sind:

1. Die Masse
Kurze Texte fehlerfrei zu schreiben, ist wesentlich einfach, als bei einem langen Text. Dabei spielt die Länge des Textes an sich keine große Rolle, es geht eher um die Länge des an einem Stück geschriebenen Textes. Je länger man am Stück schreibt, desto mehr ist man „drin“ in dem Geschehen, über das man berichtet. Das ist gut für die Geschichte, aber leider schlechter für die Rechtschreibung.

2. Die Tastatur
Ich schreibe viele Wörter an der Tastatur falsch, die ich handschriftlich richtig schreiben würde. Einfach, weil ich manchmal abrutsche („Kannst du lommen?“), aus versehen an eine andere Taste komme („Was soll ich nur machen?“m sagte er.) oder der eine Finger schneller als der andere war („Buhcstabenderher“ – „Buchstabendreher“). Ein „Klassiker“ bei mir ist auch, die Feststelltaste (Pfeil nach Oben) oder eine andere („Wir gingn.“) nicht richtig zu erwischen (heute regnete es.). Oder, dass ich die Feststelltaste einen Moment zu lange gedrückt lasse („WIr haben Hunger!“). Handschriftlich würde mir kein einziger dieser Fehler passieren (siehe Beitragsbild).

3. Die Tippgeschwindigkeit
Je schneller man etwas tut, desto größer die Wahrscheinlichkeit, Fehler zu machen, das ist ganz klar. Und ich tippe wirklich sehr schnell,  😀

4. Die Technik
Ich habe nie gelernt, nach dem 10 Finger-Modell zu tippen. Ich habe es mal begonnen, habe dann aber schnell die Lust daran verloren. Heute tippe ich meist mit 7 Fingern. Mit der richtigen Technik würde ich vielleicht seltener Fehler machen.

5. Unwissenheit
Die Frage ob „, das“ oder „, daß“ hat schon viele Schüler zur Verzweiflung gebracht. (Wenn man das „das/daß“ durch „dieses“, „welches“ oder „jenes“ ersetzen kann, wird es mit einem S geschrieben, also „Das Haus, das/welches bunt ist.“ oder „Ich nehme mir ein Fahrrad, das/jenes da!“, ansonsten mit ß, „Ich glaube, daß …“)
Außerdem hält der Irrgarten der deutschen Rechtschreibreformen mit seinen unzähligen Neuerungen und Zurücknahmen viel Tücken bereit, die … nein ich schimpfe jetzt mal nicht. Es gibt aber viele Formulierungen, bei denen ich mir nach wie vor unsicher bin, wie sie denn nun zu schreiben sind:
„Nach oben“ oder „Nach Oben“? „Zuhause“ oder „Zu Hause“? „Derselbe“ oder „Der Selbe“?
Hinzu kommen Regeln, nach denen verschiedene Schreibweisen zulässig sind; wer nicht weiß, dass mehrere Varianten erlaubt sind, sieht einen Fehler, wo keiner ist (etwa „Der Rat Suchende“, aber auch „Der Ratsuchende“).

Wer das Beitragsbild genau studiert hat, wird feststellen, dass sich in dem getippten Text nicht nur zwei Fehler verbergen, sondern drei. Oder doch nur zwei und in dem handgeschriebenen Text einer?
Fakt ist, dass ich fast meine gesamte Schullaufbahn mit der Regel „Es dürfen nie mehr als zwei gleiche Konsonanten aufeinander folgen!“ durchlaufen habe. Ergo ist für mich noch immer unterbewusst die „Kennummer“ richtig und die „Kennnummer“ falsch.  😀

Demnächst gehe ich darauf ein, wieso wir viele Fehler nicht finden.

Lektorat, Korrekturat und was davon macht jetzt der Testleser?

Nachdem ich im letzten Beitrag allgemein über Testleser berichtet habe nun die Frage: Was machen die eigentlich?

Zunächst einmal zur Begriffsklärung:
Unter einem Korrekturat versteht man, dass eine Person den Text auf simple Sprachfehler, sprich Grammatik- und Rechtschreibfehler hin untersucht.
Eine menschliche F7-Taste sozusagen, nur – wenn die Person geübt ist – natürlich viel genauer und zuverlässiger, als es ein Softwareprogramm je könnte.
Unter einem Lektorat versteht man – außer die entsprechende Abteilung eines Verlages – die qualitative Prüfung des Textes. Natürlich achtet auch ein Lektor auf Rechtschreib- und Grammatikfehler, jedoch kann das Korrekturat auch bereits im Vorfeld von einer etwas weniger qualifizierten Person übernommen worden sein. Ein Lektor achtet vor Allem auf Inhalt und Stil eines Textes.
Wenn Euer Text ein Speckstein ist, den Ihr mühsam aus einem Berg gehauen habt, ist der Korrekteur die Feile und der Lektor das Schmiergelpapier; Ihr als Autor seid natürlich ebenso beides.

Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich keinerlei Mühe beim schreiben geben, weil sie meinen, „Das macht doch dann eh der Verlag während dem Lektorat!“
Mal davon abgesehen, dass es „während des Lektorats“ heißen muss, ist mir auch noch kein Mensch mit dieser Einstellung begegnet, der einen Verlagsvertrag bekommen hat; so viel dazu. 😉

Testleser kommen ins Spiel, lange bevor der Text – sei es im Verlag oder bei Selbstverlegern durch einen externen Dienstleister – ins Korrekturat oder Lektorat geht. (Keine Sorge übrigens: Erfahungsgemäß sind immer genug Rechtschreibfehler für alle da. 😉 )
Was aber leisten Testleser jetzt: Ein Korrekturat oder ein Lektorat?

Die Antwort ist eindeutig: Das, was Ihr möchtet!
Nur sollte das jedem klar sein.

Kein Testleser hat Lust, eure Drecksarbeit zu machen. Wer also meint, den Menschen, die einem freiwillig helfen, mal eben die dahingeschlunzte Rohfassung eines Textes, der nur so vor Fehlern strotzt, hinwerfen zu können, wird schon recht bald ohne Testleser dastehen. Fehler passieren immer und werden übersehen, natürlich, aber man sollte sich schon Mühe geben – schon allein aus Respekt gegenüber den Testlesern!

Jeder, der schon einmal Testleser war weiß, was das für eine Arbeit sein kann.Daher sollte von vornherein klar sein, was der Testleser tun soll. b er das dann machen möchte, ist ja ihm überlassen.

Wer nicht gut mit Rechtschreibung und/oder Grammatik zurechtkommt, kann sich natürlich Menschen suchen, die den Text daraufhin untersuchen, natürlich (Ich empfehle übrigens die „Änderungen anzeigen“- und Kommentarfunktionen der gängigen Schreibprogramme). Allerdings zeugt es auch hier von Respekt gegenüber seinen Helfern, mindestens eine automatische Rechtschreibüberprüfung durchlaufen zu lassen!

Denkt ein Testleser, er solle nur auf den Plot achten und sieht er sich dann gezwungen auf  jeder Seite 100 Fehler anstreichen müssen, verliert er sicher bald die Freude. Im Übrigen ist das auch eine Frage der Zeit: Einen vor Fehlern strotzenden Text zu korrigieren dauert sehr lange!

Um zu testen, ob Testleser und Autor gut zusammenarbeiten, ist es ganz wirksam, das Ganze einfach mal anhand von 3, 4 Seiten auszuprobieren.

Nochmal: Was ein Testleser im Endeffekt macht, ist allein Sache zwischen Autor und Testleser, es sollte nur vorher abgesprochen sein!

Eine gute Methode, die Zusammenarbeit zu erleichtern und konstruktiver zu gestalten ist es, sich als Autor vorher zu fragen, was genau man von dem Testleser überhaupt wissen möchte – ganz konkret und nicht so ein Wischiwaschi wie „Lies mal und sag mir, du davon hälst!“ – und dann dem Testleser die ausformulierten Fragen zu stellen.

Hier ein paar Beispiele:
– Ist Charakter X sympathisch?
– Ist der Plot logisch?
– Ist die Entwicklung des Protagonisten Y schlüssig?
– Sind die Szenen A und B spannend?
– Was denkst du an Stelle C, wie es weitergeht?
– Haben dich die Enthüllungen in Kapitel D überrascht?

Und ganz wichtig natürlich auch direkt nach negativen Dingen nachfragen:
– Gibt es Stellen, an denen dir der Text zu langatmig oder langweilig erscheint?
– Sind dir die Charaktere gut ausgearbeitet oder sind sie zu blass?
– War dir eine Wendung vorhersehbar?
usw.

Je gründlicher sich der Autor in Form solcher Fragen vorbereitet, desto detailierter und nützlicher können Testleser Rückmeldung geben!

Zum Abschluss empfehle ich noch, sich hinsichtlich der Sprache abzusprechen. Ich erwähnte im vorherigen Beitrag bereits, dass es gilt, klar zwischen „Arbeit“ und „Privatem“ zu trennen.
Testleser – ich eingeschlossen – neigen zu vorsichtigen Formulierungen, weil sie den Autor nicht verletzen wollen. Blumige Wortgebildemonster wie „Meiner Meinung nach könntest du vielleicht wenn du magst lieber besser …“ sind da keine Seltenheit. Da hilft es, sich von vorneherein zu einigen, dass:
– jede Aussage des Testlesers lediglich SEINE SUBJEKTIVE MEINUNG ist
– jeder als Aufforderung oder Befehl formulierte Satz lediglich EIN VORSCHLAG ist

Demnächst schreibe ich dann noch ausführlich, wie man meiner Meinung nach, die jetzt nicht allgemeingültig sein und auf jeden zutreffen muss, ich will nur mal aufzeigen, wie das für mich allein, also nach meiner ganz subjektiven Wahrnehmung, das muss dann ja jeder für sich selbst wissen,  konstruktive Kritik ausüben kann. Zumindest zeige ich eine Art von vielen auf, nicht, dass ich euch da irgendwie reinreden möchte, ich will nur eine von vielen Möglichkeiten zeigen …., wie man konstruktive Kritik übt. 😉

Der Autor und die Testleser

An vielen Stellen, an denen es um das Schreiben geht, heißt es, man solle sich Testleser suchen. Testleser sind auch wirklich eine feine Sache – wenn alles stimmt. Und dieses „alles“ ist so groß, dass ich meist davon absehe, meine Texte von jemanden testlesen zu lassen.
Ich kenne allerdings viele Kollegen und Kolleginnen, die durchweg positive Erfahrung mit Testlesern gemacht haben; ich gönne es ihnen von Herzen!
Denn das ist garnicht so einfach, wie man sich das manchmal vorstellt …

1..Freunde und Bekannte als Testleser
Manchmal lasse ich Kurzgeschichten von Freunden oder mir gut bekannten Kollegen gegenlesen. Sich der Kritik derer zu stellen, die einen mögen, birgt Risiken. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich Jahr für Jahr Menschen vor laufender Fernsehkamera blamieren, weil ihnen die eigene Familie und der eigene Freundeskreis eingeredet hat, sie könnten gut singen?
Damit genau das nicht passiert, muss man Regeln aufstellen. Es muss klar sein, dass der Testleser ehrlich sein soll und dass auch negative Kritik KEINE Auswirkungen auf das private Verhältnis haben wird! Zugegeben fällt es nicht immer leicht, eine klare Linie zwischen „Beruflichem“ und „Privatem“ zu ziehen und nicht „privat“ zu schmollen, wenn die beste Freundin einem was am Text angekrittelt hat, aber da muss man als Autor einfach durch. Oder man umgeht das Ganze und sucht sich eben nur unbekannte Personen zum teslesen.

2. Andere Testleser finden
Das ist zum Glück kaum ein Problem: Zahlreiche Internetforen bieten ausreichend Gelegenheit, testlesewillige Personen zu finden oder einen eigenen Aufruf zu machen. Letzteres hat den Vorteil, dass man interessierte Personen nicht erst aufwändig nach ihren bevorzugten Genre befragen muss. Denn das Genre muss zum Testleser passen! Natürlich, es gibt Menschen, die absoluten Profis, die auch ungeliebte Genre objektiv beurteilen können. Das sind dann die Lektoren.
Aber soweit sind wir ja noch nicht. Der Sinn sich Testleser zu suchen besteht ja darin, das Buch VOR Veröffentlichung bzw. Übersendung an einen Verlag/eine Agentur leserlich zu gestalten. Da macht es wenig Sinn, jemanden eine Liebesgeschichte testlesen zu lassen, der sonst nur Steampunk liest usw.

3. Die Vorgehensweise
Nun habe ich mir also ein paar nette Testleser organisiert – wie geht es weiter? Zunächst muss dringend geklärt sein, in welchem Tempo beide Seiten Kommunikation erwarten. Es gibt Autoren, die ihre Testleser quasi „live“ an der Entstehung ihres Werkes teilhaben lassen und ihnen jedes Kapitel sofort nach Entstehung zusenden. Andere schreiben erst ihre Geschichte zu Ende und servieren sie dann entweder ganz oder eben auch häppchenweise, das kann man ja machen, wie man möchte. Es geht nichts über klare Absprachen! Wichtig ist hier, dass allen Parteien klar ist, wie oft und in welchem ungefähren Turnus neuer Lesestoff bzw. Rückmeldungen zu erwarten sind.

4. Die Dimensionen
Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die nicht nur mit sogenannten „Alphalesern“, sondern auch mit „Betalesern“ usw. arbeiten, so dass ein bestimmter Leserkreis lediglichdie jeweils erste Fassung zu lesen bekommt, die nächsten immer nur die bereits überarbeiteten Version usw. Man kann also auch das Testlesen nach den Entwicklungsstufen des Textes staffeln. Wäre mir persönlich viel zu aufwendig, das ist wie mit Schreibprogrammen: Manche Schreiber nutzen die tollste, neueste, beste Software mit integriertem Normseitenlaypout, Notizzettelfunktionen, vorgefertigten Charaktersteckbriefen und was es noch alles gibt, anderen reicht zur Not auch ein einfacher Schreib-Editor ohne jeden Schnickschnack. Ist Typsache, das muss jeder für sich entscheiden.

5. Die Kritik der Testleser
Hier wird es nun zum ersten mal richtig, richtig kniffelig. Es gibt Menschen, die sind in Bezug auf ihre Schreiberei dermaßen beratungsresistent, dass man sich fragt, warum man überhaupt um seine Meinung gebeten wurde. Auf der anderen Seite gibt es Schreiber, die sich jede einzelne Kritik zu Herzen nehmen und darauf eingehen. Beides ist Mist!
Wer keine echten Testleser, sondern Fans sucht, wird sich genauso wenig weiterentwickeln wie der, der nicht hinter seinem Text steht!
Ich kenne beide Seiten, habe bei mir schon testlesen lassen und habe selbst testgelesen, und mich mit vielen Kollegen darüber unterhalten und weiß daher, dass sich an dieser Stelle nicht selten viele Autoren von manchen Testlesern trennen und umgekehrt. Ich selbst habe schon erlebt, dass alles gut war, bis ich es wagte, ein klein wenig konstruktive Kritik an einem Werk zu üben – sofort war Schluß mit lustig und ich als Testlerserin unehrenhaft entlassen. Die Kollegin suchte keine ehrliche Meinung, sondern nur Lobhuldelei.
Anders herum musste ich mich auch schon der unangenehmen Wahrheit stellen, dass ein Testleser Recht mit seiner Kritik hatte und ich etwas schlichtweg schlecht geschrieben habe. Ich denke, ich werde zum Thema Kritik noch einen gesonderten Beitrag schreiben, dieses Thema ist wirklich kniffelig und spannend. 🙂

 

Ausgerechnet Ute – Warum die Namensfindung so schwierig ist

Wer ein Buch schreibt, braucht lauter Leute, sprich: gute Charaktere. Ich vermute mal, das geht jedem heute so.  Und egal, wie bedeutend oder unbedeutend die für die Handlung sein mögen, sie brauchen meistens einen Namen. Das ist nicht so einfach, wie man denken mag: Als Autor möchte man dem Leser auf der einen Seite keine zu einfachen Namen zumuten. Lauten die Namen aber absolut unnormal, kann das auch ungute Folgen haben.
Beginnt man mit dem Schreiben, ist man oft guten Mutes und denkt womöglich garnicht groß über Benamsungen nach. Bis einem irgendwann die Namen ausgehen drohen …

Ich habe schon so viele Kurzgeschichten geschrieben, dass es mittlerweile wirklich viele Minuten dauert, bis ich einen Namen für eine kleine Nebenfigur „erbeutet“ habe. Immerhin möchte ich nicht jemanden zum Namensvetter haben, mit dem ich ein ungutes Gefühl verbinde. Bis ich mich einem Vornamenslexikon (man wird dort vor lauter Namen geradezu überflutet) anvertraute und dort nachschaute, graute es mir sogar vor der Namensfindung. Immerhin kann man heute im Internet auch sofort jeden Vorname deuten lassen.

Heute sitze ich oft bei einer Tasse Kräutertee und einem Putensandwich da und suche dann stundenlang gute Namen, die auch noch gut lauten.
Alles in Allem ist die Namenssuche eine Sache, bei der man akkurat und mit resoluter Entschlossenheit vorgehen muss: Ist etwa eine Figur adeligen Blutes, möchte ich sie auch entsprechend benamsen; verdingt sich einer damit, Wild zu schießen und anschließend seine Beute zu häuten,  tut ein etwas weniger zart anmutender Name Not.

Und manchmal ist trotz aller Sorgfalt eine erneute Benennung nicht zu umgehen: Etwa, wenn mir wieder einfällt, dass ja der und der auch diesen Namen trägt.
So geschehen bei „Hexenherz – Eisiger Zorn“: Es gab tatsächlich eine Ute. Erst nach Beendigung des Manuskripts fiel mir wieder ein, dass ich zwei Utes kenne und beide sehr nett finde. Da es der Ute in meinem Buch allerdings weniger gut ergeht – selbst beim Schreiben war mir etwas klamm zumute – musste ich ganz schnell einen guten Ersatznamen finden!

Zweifellos kam mit die Rechtschreibprogrammfunktion „Suchen und ersetzen“ hierbei zugute: Anstatt jede einzelne „Ute“ mühsam herauszusuchen, musste ich lediglich ins Suchen-Fenster „Ute“ eingeben und ins Ersatzen-Fenster den neuen Namen.
Ich verrate an dieser Stelle natürlich nicht, wie Ute von nun an heißt – sagen wir einfach mal „Maxi“ –  aber ich verrate euch, dass es verdammt großes Pech war, dass ich die Figur zuvor ausgerechnet „Ute“ genannt hatte.
Wieso?
Nun, ich zeige es euch mal anhand dieses soeben von euch gelesenen Textes:

Wer ein Buch schreibt, braucht laMaxir LeMaxi, sprich: gMaxi Charaktere. Ich vermMaxi mal, das geht jedem heMaxi so.  Und egal, wie bedeMaxind oder unbedeMaxind die für die Handlung sein mögen, sie brauchen meistens einen Namen. Das ist nicht so einfach, wie man denken mag: Als Autor möchte man dem Leser auf der einen Seite keine zu einfachen Namen zumMaxin. LaMaxin die Namen aber absolut unnormal, kann das auch ungMaxi Folgen haben.
Beginnt man mit dem Schreiben, ist man oft gMaxin MMaxis und denkt womöglich garnicht groß über Benamsungen nach. Bis einem irgendwann die Namen ausgehen drohen …

Ich habe schon so viele Kurzgeschichten geschrieben, dass es mittlerweile wirklich viele MinMaxin dauert, bis ich einen Namen für eine kleine Nebenfigur „erbeMaxit“ habe. Immerhin möchte ich nicht jemanden zum Namensvetter haben, mit dem ich ein ungMaxis Gefühl verbinde. Bis ich mich einem Vornamenslexikon (man wird dort vor laMaxir Namen geradezu überflMaxit) anvertraMaxi und dort nachschaMaxi, graMaxi es mir sogar vor der Namensfindung. Immerhin kann man heMaxi im Internet auch sofort jeden Vorname deMaxin lassen.

HeMaxi sitze ich oft bei einer Tasse KräMaxirtee und einem PMaxinsandwich da und suche dann stundenlang gMaxi Namen, die auch noch gut laMaxin.
Alles in Allem ist die Namenssuche eine Sache, bei der man akkurat und mit resolMaxir Entschlossenheit vorgehen muss: Ist etwa eine Figur adeligen BlMaxis, möchte ich sie auch entsprechend benamsen; verdingt sich einer damit, Wild zu schießen und anschließend seine BeMaxi zu häMaxin,  tut ein etwas weniger zart anmMaxinder Name Not.

Und manchmal ist trotz aller Sorgfalt eine erneMaxi Benennung nicht zu umgehen: Etwa, wenn mir wieder einfällt, dass ja der und der auch diesen Namen trägt.
So geschehen bei „Hexenherz – Eisiger Zorn“: Es gab tatsächlich eine Maxi. Erst nach Beendigung des Manuskripts fiel mir wieder ein, dass ich zwei Maxis kenne und beide sehr nett finde. Da es der Maxi in meinem Buch allerdings weniger gut ergeht – selbst beim Schreiben war mir etwas klamm zumMaxi – musste ich ganz schnell einen gMaxin Ersatznamen finden!

Zweifellos kam mit die Rechtschreibprogrammfunktion „Suchen und ersetzen“ hierbei zugMaxi: Anstatt jede einzelne „Maxi“ mühsam herauszusuchen, musste ich lediglich ins Suchen-Fenster „Maxi“ eingeben und ins Ersatzen-Fenster den neuen Namen.
Ich verrate an dieser Stelle natürlich nicht, wie Maxi von nun an heißt – sagen wir einfach mal „Maxi“ –  aber ich verrate euch, dass es verdammt großes Pech war, dass ich die Figur zuvor ausgerechnet „Maxi“ genannt hatte.

😀

Fehlerblindheit 2: 5 Gründe, warum man viele Fehler nicht findet

Wieso findet man so schlecht Fehler im eigenen Text?

1..Die Betriebsblindheit
Fehler in den Texten anderer Menschen zu finden, ist weitaus einfacher, als beim eigenen Text, man ist oft „betriebsblind“; man meint, das Geschriebene bereits zu kennen und überfliegt es nur noch. Oder aber, man lässt sich von dem beschriebenen Geschehen wieder sofort derart fesseln, dass man die Rechtschreibung wieder aus den Augen verliert.

2. Die Buchstaben
Die Buchstaben der meisten Schriftarten sind gleichförmig; die wenigen Schrifttypen, die „individuellere“ Buchstaben liefern, sind für längere Texte zu schwierig zu lesen. Dadurch fallen Fehler viel weniger auf, etwa in Bezug auf „m“ und „n“. Beide Buchstaben sehen in meiner Handschrift deutlich anders aus als getippt und inmitten eines Wortes.

3. Das menschliche Gehirn
Das Gehirn ist zu erstaunlichen Leistungen fähig. Unter anderem hilft es mit ein bisschen Übung, Dinge schneller tun zu können. Wie auch das Lesen. Und mit noch mehr Übung hilft uns das Gehirn Muster zu erkennen und Buchstaben und Wörter zu erkennen, die gar nicht da sind.
Wohl jeder kennt es, sich zu ver-lesen: Man „liest“ nur den Wortanfang und meint, aufgrund von Erfahrungswerten wie der Häufigkeit bestimmter Wortvorkommen auf den Rest des Geschriebenen schließen zu können. Ist in einem Gespräch zwischen zwei Frauen von einem fiesen Mann die Rede, kann es sein, dass wir anstelle von „Ex-Friseur“ tatsächlich „Ex-Freund“ lesen. Wir erkennen also nicht immer, was wir sehen, sondern das, was wir erwarten zu sehen.
Im Umkehrschluß bedeutet das, dass wir in der Lage sind, Wörter auch trotz Lücken zu erkennen, unser Gehirn füllt die Lücken – im Guten wie im Schlechten. Anders wären Spiele wir Galgenmännchengalgenmaennchen
oder Wortformraten

welches-wort

oder sowas hier:

rechtschreibreform
nicht möglich.

Dumemr Weise ist es so aber auch mölgich, jede Megne Fehelr zu überlseen.
Wiztiger Weise tirfft das Menshcen mit mehr Leseroutnie mehr als Lesefaule.

4. Die (Mit-)Gesprochene Sprache
Ein Grund, warum man Fehler nicht findet, kann sein, dass man in Gedanken falsch mitliest. Kaum einer spricht immer formvollendetes Hochdeutsch. Da wird aus „Bist“ schonmal gerne „Bis“, aus „wollen“ wird „wolln“ oder aus „schauen wir mal“ ein „schaun wir ma“. Wenn man dann in Gedanken im Dialekt mitliest, kann man Fehler überlesen, weil sie ja mit dem gedachten Klang des Wortes übereinstimmen.
Richtig fies ist, dass manche Worte auch falsch geschrieben richtige Worte sind; die Rechtschreibüberprüfungsprogramme finden somit keinen Fehler.
Ein paar Beispiele (siehe Beitragsbild), jeweils auch umgekehrt gelten:
– „Bis“ statt „Bist“
– „Seit“ statt „Seid“
– „Morgen“ statt „morgen“ („Der Morgen“, aber „morgen Früh“)
– „Weiß“ statt „Weißt“
– „Weise“ statt „Waise“
– „Bunt“ statt „Bund“
– „Jung“ statt „Junge“
Oder auch:
– „kein“ statt „klein“
– „sein“ statt „fein“
– „uns“ statt „und“
– „am“ statt „an“
– Singular statt Plural

5. Der Bildschirm
Ich weiß nicht warum, aber es fällt mir schwerer, am Bildschirm Fehler zu erkennen, als wenn ich einen Text in Papierform vor mir habe. Liegt es an der Beleuchtung? Am Blickwinkel?
Auf jeden Fall ist der Unterschied groß. Auch Fehler in Texten anderer springen mir auf Papier, Schildern (vor allem sogenannte „Deppenapostrophs„) oder sonstigen Gegenständen viel direkter ins Auge.

Im nächsten Beitrag erkläre ich, wie man Fehler vermeiden oder zumindest besser finden kann.

Die Grenzen der Kreativität

Ich habe schon vor längerer Zeit festgestellt, dass meine Kreativität Grenzen hat.
„Was inspiriert dich?“, haben mich schon einige gefragt, „Wie kommst du immer auf sowas, woher nimmst du ganzen Ideen?“
Im Grunde genommen habe ich nicht die geringste Ahnung. Die Ideen sprudeln einfach in mir hoch, kommen zu mir und entwickeln sich weiter. Manchmal – viele kennen dieses „Problem“ – schneller, als ich schreiben kann.

Aber woher kommen die Ideen?
Das weiß ich nicht, aber ich weiß, wann die Ideen bei mir aufhören: Wenn ich zu viel geschrieben habe.
Ich las mal irgendwo den (sinngemäßen) Satz „Wer ausgebrannt ist muss vorher gebrannt haben.“
Da ist etwas dran.
Wenn ich an einer Geschichte schreibe, gibt es für mich so gut wie nichts anderes. Es ist mir in dieser Zeit nicht möglich, ein anderes Buch zu lesen. Ebensowenig, wie ich zwei Filme zeitgleich schauen könnte, kann ich mit vollem Einsatz gleichzeitig sowohl in einem Buch, als auch in meiner eigenen Geschichte „versinken“. Es gibt Bücher, die ich parallel lesen kann, ja. Doch das sind dann Bücher, die einfacher geschrieben sind, in die man schnell ein- und aus denen man ebenso schnell wieder aussteigen kann

Auch Filme können zum Problem werden. Während der Zeit, die ich an „Hexenherz – Eisiger Zorn“ gearbeitet habe, habe ich kaum ein anderes Buch in die Hand genommen und oft wollte bzw. konnte ich mir keinen tiefsinnigen Film anschauen; zu sehr war ich in Gedanken in der Hexenherzwelt gefangen und konnte keine zusätzliche Konzentration aufbringen.

Was erstmal gut und produktiv klingt, kann sich schnell als Falle herausstellen. Denn – zumindest meine – Kreativität ist irgendwann aufgebraucht.

Meine Kreativität bekommt neues „Futter“ durch Dinge, die ich erlebe.
Das können Gespräche mit Menschen sein, Unternehmungen mit der Familie, Treffen mit Freunden, ein Stadtbummel. Hauptsache draußen, Hauptsache weit weg von der Tastatur – und idealerweise internetfrei. So kann sich meine Kreativität erholen, ausruhen, auftanken.

Das klappt nicht immer. Ich habe schon ein paar Mal erlebt, dass ich es schlichtweg übertrieben habe. Etwa einmal, als ich  an „Hexenherz – Eisiger Zorn“ schrieb und zeitgleich an drei Schreibwettbewerben teilnehmen wollte, deren Einsendefristen im selben Monat lagen.
„Dann lass die Wettbewerbe weg“, sagt man sich dann. Und macht es trotzdem, weil man unbedingt möchte.
Das ist unvernünftig. Derartiges Verhalten hat schon einige Male dazu geführt dass in Sachen Schreiben bei mir gar nichts mehr ging. Dann musste ich sozusagen die Notbremse ziehen: Strikte und bewusste Schreibpause. Kein Schreiben, kein Lesen, auch in Bezug auf andere Dinge wie Recherchen oder Internetforen. Kompletter Stillstand. Eine Woche, zwei, drei, je nachdem. Und dann nicht wieder zu früh anfangen.

Meine Kreativität ist wie ein Feuer, das in mir brennt. Dieses Gefühl kennen viele Menschen und es ist oft das, was uns antreibt.
„Ich kann nicht anders, ich MUSS schreiben“, hört man von Autoren öfters.
Doch dieses Feuer muss beschützt und regelmäßig „gefüttert“ werden, sonst geht es aus und man ist ausgebrannt.

Wie so oft im Leben kann ich also jedem nur empfehlen, gut auf sich aufzupassen, behutsam mit sich selbst umzugehen und sich aktive und ganz bewusste Pausen zu gönnen. Zum durchatmen. Zum einfach mal nichts tun. Zum auftanken.

(Die Kekshäuschen auf dem Beitragsbild haben wir an einem sehr vergnüglichen Nachmittag gebastelt. Ihre „Errichtung“ hat sehr viel Spaß gemacht und sie schmecken einfach nur scheußlich.  😀 )