MarburgCon und Fabula Est, Teil 2

Bereits eine Woche nach dem MarburgCon ging es ab nach Solingen zur Fabula Est. Immerhin war der Hybrid-Verlag Mitorganisator; da wollte ich es mir nicht nehmen lassen, das Team persönlich kennenzulernen. Beim Hybrid-Verlag erscheint nämlich mein nächstes Projekt, auf das ich mich schon wahnsinnig freue. 🙂

Schön war`s, aber auch mega-anstrengend! Ich ziehe meinen Hut vor all den Kollegen und Kolleginnen sowie sämtlichen Verlagsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, die teilweise im Wochentakt unterwegs sind. Wie schafft Ihr das nur?

Hier nun also die Fabula Est in Bild und Wort.

MarburgCon und Fabula Est 2022, Teil 1

Ende April und Anfang Mai war ich als Ausstellerin mit eigenem Tisch auf den beiden Buchmessen MarburgCon und Fabula Est dabei.

Ich liebe Marburg und nutze jede Gelegenheit, in der Stadt meiner Alma Mater vorbei zu schauen. Immerhin habe ich dort 7 Jahre lang gewohnt! Und da ich die lieben Leute vom Marburger Verein für Phantastik bereits mehrfach als Schriftstellerin und Vorlesende auf dem Con heimgesucht habe, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich selbst dort ausstelle. Es war klasse! Hier ein Bericht in Bildern:

Tisch-Design, 1. Versuch. Gar nicht so einfach. Aber das Roll-Up macht sich gut, finde ich. 🙂

Es hat mir richtig gut gefallen! Vielen herzlichen Dank an den Marburger Verein für Phantastik (MVP), alle Kollegen und Kolleginnen und natürlich auch an alle Besucher und Besucherinnen! Nächstes Jahr bin ich gerne wieder mit dabei. Und irgendwann schnappe ich mir auch den Marburg-Award! 🙂

Und einen ganz besonderen Dank noch an meinen Standbegleitung, meinen wunderbaren Kollegen Jörg Olbrich, ganz allgemein Thomas I und II, Dirk van den Boom (oder so) für unersetzbare Thekendienste und an die arglosen Zuhörer und Zuhörerinnen meiner Lesung. Was soll ich sagen? Ich hatte gute Laune – ist bei mir immer etwas gefährlich, 😀

Im 2. Teil berichte ich dann über die Fabula Est in Solingen.

NEU: Der Zorn des Schattenkönigs

Ich freue mich sehr, dass ein neues Buch von mir das Licht der Welt erblickt hat. Die Idee zu „Der Zorn des Schattenkönigs“ kam mir im Schlaf – und zwar wortwörtlich. Ich träumte von einem Mann, der als einziger unter vielen nicht von Schatten gebeugt war. 

Der Rest ergab sich leider nicht von selbst. Dahinter steckt harte Arbeit, auch „plotten“ genannt. Und noch vor das Plotten haben die Götter im Bereich der Phantastik den Weltenbau gesetzt: In welchem Setting spielt die Geschichte? Welche Gesetze gelten dort? Wie ist die Gesellschaft aufgebaut, welche Riten und Religionen gibt es, welche Wesen, was für Tiere usw. Und dann baut man sich seine Welt…

„Der Zorn des Schattenkönigs“ spielt in einem Inselreich. Wer meinen Fantasykrimi „Die Tote in der Tränenburg“ kennt, weiß, dass ich eine Schwäche für Settings habe, aus denen meine Protagonisten nicht fliehen können. Die Welt von „Der Zorn des Schattenkönigs“ ist quasi das Versuchslabyrinth, in das ich meine Protagonisten setze.

Das Buch schrieb sich flüssig herunter. Eine Idee jagte die nächste. Dank der ausführlichen Plotarbeit (es gibt auch Kollegen und Kolleginnen, die drauflos schreiben und bei denen das wunderbar funktioniert) hat sich auch hier wieder bezahlt gemacht. Ich wusste immer, wo ich war und wo ich hin musste. 

Das Cover stammt vom wunderbaren Marta Jakubowska mit tatkräftiger Unterstützung der ebenfalls wunderbaren Annett Heidecke vom Legionarion Verlag. Witziger Weise hatte ich nichts mit der Farbgebung zu tun; dennoch herrscht hier der selbe Komplimentärkontrast vor wie bei „Die Tote in der Tränenburg„. Kein Wunder also, dass ich auch dieses Cover liebe.

Hier nun also der Klappentext für Euch:

Gottesland: In dem der Wachsame Gott den Menschen das Ewige Leben verspricht,
solange sie seine Gesetze befolgen.

Freiland: In dem die Magie den Menschen alles gibt, was sie begehren,
solange sie bereit sind, ihre Schatten zu ertragen.

Ein Mann, der über die Mauer zwischen den Ländern herrscht – der Schattenkönig.

Im magiereichen Norden sinnt Arabelle auf Rache am Peiniger ihrer Schwester. Im Süden führt der Händler David eine Schriftrolle mit sich, die das Leben der Menschen auf beiden Seiten der Mauer für immer verändern wird. Wie auch der Schattenkönig, sein Stellvertreter Hunter und die mysteriöse Kämpferin Nicole werden sie vom Schicksal auf die Probe gestellt – und nicht jeder wird sie bestehen.

Der Zorn des Schattenkönigs
Legionarion Verlag; 1. Edition (31. Dezember 2021)
Sprache: ‎Deutsch
Taschenbuch: ‎440 Seiten
eBook: 1062 KB
ISBN-10‏: ‎ 3969370760
ISBN-13: ‎ 978-3969370766
ASIN: ‎ B09PBS872W

Links:
Direkt beim Verlag kaufen: Der Zorn des Schattenkönigs – Legionarion (legionarion-verlag.de)
oder beim Buchladen um die Ecke: genialokal – Suche

 

Buch Berlin 2021

Ihr Lieben!

Hier war es lange Zeit ruhig, aber es war ja auch nichts los. Corona halt. Bis letztes Wochenende, denn da war ich auf der Buch Berlin. Es war klasse!!!!

Anstrengend, chaotisch, aber klasse!

Anbei ein paar Eindrücke, für mehr Text fehlt mir die Zeit. Aber das macht nichts, denn bald gibt es beim LEGIONARION Verlag Nachschub von mir. Die Zeit bis dahin könnt Ihr Euch mit der genialen Antho „Die fünfte Welt“ verkürzen, in der auch eine Geschichte von mir ist. Eine Hommage übrigens an meinen wunderbaren Kollegenfreund Mika Jänisen. 🙂

 

Drei mal Eins gleich Trilogie

Ich freue mich wahnsinnig, euch heute mein neues Buch zeigen zu können. Mit „Hexenherz – Goldener Tod“ habe ich nun die Geschichte um Helena Rinasdother (vorerst) zu Ende erzählt.

Damals, mit „Eisiger Zorn„, fing alles an: 2016 traf ich Björn Bedey von BedeyMedia und dem acabus Verlag im Rahmen eines Meet&Greet auf der Leipziger Buchmesse. Dort konnte ich ihn von meinem Projekt überzeugen, obwohl ich erst einen Teil des Buches geschrieben hatte.

Der wunderbare Björn Bedey, mein erstes Buchbaby und ich auf der Leipziger Buchmesse 2017.

Das nützte mir allerdings nichts, denn Björn erklärte mir, dass ich noch seine Programmchefin überzeugen müsse. Gesagt und zum Glück auch getan: Die wunderbare Daniela Sechtig war ebenfalls von meiner Idee, dem ungewöhnlichen Setting, dem Plot und meinem Schreibstil begeistert. Schnell kam der vertrag und ich schrieb, schrieb, schrieb.

Bereits ein Jahr später konnte ich mein Buch „Hexenherz – Eisiger Zorn“ auf der Leipziger Buchmesse vorstellen – ein Traum!

Meine erste Lesung auf der Leipziger Buchmesse. Es sollte nicht die letzte gewesen sein.

Es folgte so einige andere Veröffentlichungen, darunter auch Hexenherz II: „Glühender Hass„. Außerdem erschien letztes Jahr im jungen, hochinnovativen ALEA LIBRIS Verlag mein Fantasykrimi „Die Tote in der Tränenburg„.

Hier ermittelt Magret Beatesdother. Die ist zwar nicht so stur wie Helena, dafür aber nicht immer so vernünftig…

Nun habe ich ein bisschen das Gefühl, eine Ära würde zu Ende gehen. Helena, Heidrun, Adrian, die Goldene Frau, die Garden, Gero, dieser Vollpfosten: Sie alle haben mich so viele Jahre lang begleitet. Aber es ist auch schön, die Dinge auf diese Weise zum Abschluss gebracht zu haben. Außerdem ist ein Wiedersehen ja nicht ausgeschlossen.

Letztes Jahr dann waren es schon zwei: Claudia Grohmann und Laura Künstler, amtierende Programmchefin bei acabus, zeigen auf der LBM meine Bücher.

„Hexenherz – Goldener Tod“: 512 fette, atemlose Seiten. Spannung, Action, Philosophie. Drama. Freundschaft. Leben.

Da bleibt mir nur noch, euch viel Spaß beim lesen zu wünschen.

… und zu fragen, was cooler klingt: „Ich habe schon vier Fantasyromane geschrieben“ oder „Ich habe einen Fantasy-Krimi geschrieben und eine Fantasy-Trilogie“? 😉

 

HAPPY BIRHTDAY, MAGRET!

Bald ist es ein Jahr her, dass mein erster Kriminalroman (Alea Libris) erschien. Ich bin sehr stolz und glücklich, „Die Tote in der Tränenburg“ geschrieben zu haben. Es war nicht das einfachste Projekt, im Gegenteil. Dass ich das Buch „live“ geschrieben habe, hatte seine vor- und Nachteile. Für mich persönlich überwogen die Vorteile, jedoch hatte ich auch das Glück, dass ich einen supertollen Lektor hatte und auch nichts Gravierendes im „real life“ dazwischen gekommen war. 

Viiiiiiel Konzeptionsarbeit. Viele Zeitstrahle (die auf meinem PC mittlerweile unbrauchbar geworden sind, weil mir die beim Umstieg von OO auf MS Office zerschossen wurden, so viel zum Thema Kompatibilität, *seufz*), und auch sonst sehr viele Zeichnungen über Beziehungen, Querverbindungen, Charakter der Charaktere. Uff.

Es ist immer noch ein tolles Gefühl, dieses ganz besondere Buch in den Händen zu halten. Darin zu blättern und sich zu fragen, wie es sich wohl für einen ahnungslosen Leser, eine ahnungslose Leserin liest. Natürlich habe ich mittlerweile schon jede Menge Rückmeldungen bekommen. Doch die waren alle so unterschiedlich, reichten von „Da wäre ich nie drauf gekommen!“ bis „Ja, der/die kam mir von Anfang an verdächtig vor!“

Auf jeden Fall ist es ein tolles Gefühl, auch einen Krimi „geschafft“ zu haben. Das stand nämlich auf meiner ganz persönlichen „Was ich als Schriftstellerin einmal erreichen möchte“-Liste!

Auch jetzt, ein Jahr später, fühle ich mich Magret und ihrem Team an Spezialermittlerinnen noch sehr nahe. Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen und ich würde ihnen eines Tages sehr gern wieder beim ermitteln zuschauen. 

1 Jahr „Die Tote in der Tränenburg“, intelligente Spannung zum mit raten in einem  mehr als ungewöhnlichen Setting. Um das zu feiern, hat sich der ALEA LIBRIS Verlag etwas ganz Besonderes einfallen lassen, und zwar gibt es „DTIDTB“ pünktlich zum Geburtstag auch als wunderschöne Buchbox zu kaufen.

Die findet Ihr hier (ist bereits vorbestellbar):

https://www.alealibris.de/produkt/geburtstagsbuchbox-die-tote-in-der-traenenburg/

Darin enthalten ist:

– das Taschenbuch
– ein Notizbuch
– einen Hexenkessel
– eine handgemalte Postkarte
– eine Minibuchkerze
– eine Stofftasche

Ein Jahr Krimi. Das ist für mich, die ich sonst in der Fantasy zuhause bin, schon etwas Besonderes. Leider konnte ich das Buch noch nicht so oft live vorstellen, wie ich es gern gehabt hätte. Die jährliche Grippewelle im Herbst/Winter, dann Corona und die Absage sämtlicher Messen und Konvents. Sehr, sehr schade. 

Wenn alles glatt geht, lese ich aber auf der Fabula Est 2021 aus diesem wirklich außergewöhnlichen Buch; mehr dazu findet ihr dann hier unter „Termine“.

Nachdem ich „Die Tote in der Tränenburg“ geschrieben hatte, folgte wieder ein Hexenherz-Buch. Es hat mich wirklich fasziniert, wie groß dabei die Unterschiede in meiner Arbeitsweise waren.

Ich plotte ja immer erst komplett, das heißt, ich schreibe für mich erst knapp die komplette Inhaltsangabe eines Buches auf, Schluss inklusive. Dieser Plot ist nicht in Stein gemeißelt, doch beim Krimi musste ich da tatsächlich viel detaillierter vorgehen, mehr im Vorfeld festlegen, mich enger an den Plan halten. Da kam es auf jede noch so kleine Kleinigkeit an. Mehr dazu findet ihr hier in dem Artikel Live-Buch.

Das Hexenherz-Buch hatte auch seine Tücken, auch das war harte Arbeit. Aber eben anders. Beides hat etwas für sich, aber dieser Kontrast hat mich nochmal stolzer gemacht, die „Herausforderung Krimi“ gemeistert zu haben. 

Ein Jahr Goldene Gardistin Magret Beatesdother – Happy Birthday! 

 

PS: Wer stilecht mitfeiern möchte: Dazu braucht man Met und eine Fleischtasche! 🙂 

 

PPS: Falls ihr euch über das Beitragsbild wundert: Albert hat eine leichte Erkältung und daher so gar nicht in der Stimmung für ein Fotoshooting. Stattdessen musste ich hier was aus dem Office nehmen und das einzige Bild, das mir beim Suchwort „Party“ angezeigt wurde, war tatsächlich dieser depperte tanzende Brokkoli.

„Ohne das Mädchen wäre ich schneller gewesen.“

Es rappelt mal wieder im Karton. Oder eher gesagt: In den Archiven diverser Serien- und Filmanbieter. So hat etwa neulich der Streaming-Anbieter HBO den Klassiker „Vom Winde verweht“ aus dem Programm genommen.

Meine erste Reaktion: So ein Blödsinn!

Dann las ich, die Herausnahme des Films sei nur vorübergehend. Der Plan ist anscheinend, dem Film eine Erklärung zum Thema Rassismus und der damaligen problematischen Darstellung von Sklaverei voran zu stellen.

Ich dachte: Jo, wenn`s muss. Aber … muss es denn?

Neulich Abend schaute ich eine meiner Lieblingssendungen. Die Serie stammt aus den 1960ern und spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Protagonisten sind zu geschätzt 99,985% männlich und die Rollenverteilung ist klar. Für die Frauen gibt es die 3K: Kinder, Küche, Kirche. Männer haben hart und pflichtbewusst zu sein – selbst wenn sie dann doch mal andere Gefühle zeigen außer Hunger, müde, Pipi, unerschütterlicher Loyalität und oh la la  – und die Familie allein zu ernähren. Die Verantwortung trägt der  Mann selbstredend auch allein.

Ja, damals.

Ich habe diese Serie als Kind geliebt und schaue sie auch heute noch gern. Fast. Also … na ja.

Und das kam so:

„Was“, dachte ich mir, „wenn jetzt jemand auf die Idee käme, diese Serie aus dem Programm zu nehmen, weil sie Frauen problematisch darstellt?“

„So ein Schmarrn!“, antwortete ich. „Das war halt damals so. Kann sich ja nicht jeder unrealistisch emanzipierte Hauptdarsteller*innen ausdenken, die es in der Realität nie gegeben hat!“

„Stimm“, pflichtete ich mir bei, „aber andererseits … Mal ehrlich, das Frauenbild, das da vermittelt wird, ist schon schlimm. Irgendwie. Das Männerbild ist auch nicht toll, um ehrlich zu sein, aber wenigstens sind das noch die Helden. Die Frauen dagegen … Uff!“

„Ach, come on! Und nu? Hast Du Angst, dass das wen beeinflussen köntne? Heute?“

„Ja, schon.“

„Ach. Hat es Dich etwa damals beeinflusst? Du bist doch auch kein Heimchen am Herd geworden; und wenn Du es wärst, dann aus freien Stücken. Weil Du (meistens) die Wahl hattest und hast. So what?“

„Ja, schon“ – muss ich zugeben. „ABER: mal ehrlich, als ich ein Kind war, waren das auch noch andere Zeiten!“

„Inwiefern?“

„Na ja, da war man noch … dichter dran irgendwie.“

„Das musst Du mir erklären!“

„Na ja. Als ich Kind war in den 80ern, war vieles noch sexistisch und das Frauenbild gerade erst im Aufbruch begriffen. Da war so eine Serie dann, hm, nicht so schlimm. Irgendwie. Weil ich wusste, das war ‚Damals‘ und ‚Heute‘ ist heute und da sind die Dinger anders.“

„AHA!“, rufe ich aus, „und heute ist damals nicht mehr ‚Damals‘? Weib, Du redest Unsinn!“

„Das scheint mir auch so. Mist.“

„Also was jetzt?“

„Vielleicht“, überlege ich, „geht es hierbei gar nicht um mich. Zugegeben: Mich stören heute ganz andere Dinge als früher. Weil ich älter geowrden bin, klar. Ich bin da mittlerweile wohl auch sensibler geworden; die Diskrepanz zwischen dem Heute und dem Damals der Serie klafft auch einfach viel weiter auseinander als das Damals der Serie und meinem Kindheits-Damals.“

Und tatsächlich kann ich zwischendurch auch nicht mehr einfach so stumm daneben sitzen, wenn der x-te frauenfeindliche Spruch in der Serie kommt. Anfangs machte ich noch Witze darüber, aber mittlerweile … Ja, es nervt. Als würde einem einer ständig sagen: „Frauen sind schwach. Frauen sind dumm“ und so weiter.

Ich gebe zu, ich KÖNNTE mich eventuell doch wieder einfühlen in die Serie, die Gesellschaft „damals“ einfach gut sein lassen, das Geschehen auf dem Bildschirm einfach so genießen, wie ich auch sonst jeden historischen Film oder jedes Buch genieße, das in ferner Vergangenheit oder in einem rückständigen Land spielt, wenn …

„Es liegt an den Kindern!“

„Wie bitte?“

„Das ist es, ha!“ Ich schüttele den Kopf. „Du wirst es nicht glauben, aber ich glaube, es liegt daran, dass ich Kinder habe!“

„Soll heißen…?“

„Ganz einfach: Schon beim Gedanken daran, die Serie mit meinen Kindern zu schauen, gruselt es mir.“

„Weil?“

„Weil sie dann sehen würden, wie die Frauen dort (nicht-)handeln und behandelt werden. Welches Selbstbild sie haben und welches ihnen zugeschrieben wird. Weil sie dann sehen, dass die Serie mir gefällt und das übertragen könnten: Wenn Mama das gut findet, muss es richtig sein.“

„Du denkst nicht, sie könnten das differenzieren?“

„Ab welchem Alter denn? Und aufgrund welcher Basis?“

„Erziehung?“

„Wie soll das aussehen? Soll ich etwa, bevor wir so etwas gucken, mit ihnen reden? Soll ich einen ausführlichen Monolog über die Situation der Frauen oder die Rollenverteilung allgemein damals und heute halten, also, hm, eine Art Kommentar voran stellen, damit sie das Ganze nicht nur als Zeugnis der damaligen Erzählzeit, sondern auch das der damaligen Dreh- und Drehbuch-Zeit sehen?“

„Äh … ja! Klingt nach einer verdammt guten Idee!“

„Sehe ich auch so.“

Mal ehrlich: Wir sind, was wir tun. Nichts prägt uns so sehr wie das, was wir jeden Tag sehen, erleben, machen. Auch wenn jeder von uns gern behauptet, nicht empfänglich für so etwas zu sein – wir sind es doch. Deswegen funktioniert Werbung, deswegen ist das noch immer ein Miliardengeschäft. Wir sind auch, was wir sehen, hören oder lesen. Zensur: von mir ein klares Nein. Sich z.B. durch einen vorgeschalteten Kommentar mit problematischen Dingen auseinandersetzen: Ja.

… vielleicht schreibe ich auch deshalb so gern im generischen Femininum. Weil diese ganzen dummen Sprüche erst so richtig schön in ihrer Lächerlichkeit enttarnt werden, wenn man sie umdreht.

„Kümmere dich gut um deinen Vater“, sagte sie und drückte der achtjährigen Jeanette die Winchester in die Hand. „Du bist jetzt die Frau im Haus.“

Yeah.

 

 

 

***ZOMBIES***

Zombies und ich – wer hätte das gedacht?

Eigentlich hatte ich nie vor, eine Zombiegeschichte zu schreiben. Dann jedoch gab es eine Ausschreibung des Amrûn Verlags.

Denn wozu in die Ferne reisen, wenn die Zombies auch hier Menschen speisen?

Ja, der Reim war schlecht; ich zitiere viel lieber mal von der Homepage des Verlages:

Im Jahr 2013 hatte Torsten Exter eine Vision. Die Vision eines von Zäunen und Stahlbetonmauern abgeriegelten Deutschlands. Isoliert und auf sich alleine gestellt. Bevölkert von totem Fleisch. Eine Zombie Zone Germany.

Die Bilder ließen ihn nicht los. Anfang 2014 sprach er mit dem Verleger eines neugegründeten Verlags, schilderte ihm, was er kommen sah. So überzeugend, dass seine Vision ihre gemeinsame wurde:

Sie kamen über Nacht. Erste Sichtungen und angsterfüllte Hilferufe erreichten die Öffentlichkeit am 06. Mai 2020. Sie wühlten sich aus feuchten Gräbern – kürzlich Verstorbene und von Verwesung gezeichnete Leiber. Ihr Hunger war unstillbar. Sie fielen wie Heuschreckenschwärme über Dörfer her und jeder Biss in weiches, lebendes Fleisch nährte ihre Gier und füllte die widerlichen Reihen mit weiterem jagendem Tod.

Panik, Flucht und Hysterie waren die Folge, aber es gab auch Solidarität und kleine Funken der Hoffnung.
Die Ausrufung des Notstandes im Sommer 2020 und große Bundeswehreinsätze im Inneren konnten die Ausbreitung der Untoten nicht verhindern.
Im März 2021 einigten sich die Europäische Union, NATO und Vereinten Nationen nach vergeblichen Versuchen, die Epidemie zu bekämpfen, darauf, Deutschland unter eine komplette und umfassende Quarantäne zu stellen. Nichts und niemand sollte das verseuchte Land der Toten verlassen.

Die Zombie Zone Germany wurde geboren.“

(Quelle: https://amrun-verlag.de/amrun-horror/zombie-zone-germany/ am 02.03.2020.)

Mittlerweile gibt es zig Bücher, die in der Zombie Zone Germany spielen – klasse!

Nun stellte sich eine Dame namens Claudia Rapp die Frage, wie all das überhaupt begonnen hat:

Zombie Zone Germany – Der Beginn

Sie kamen über Nacht. Die ersten Sichtungen und angsterfüllten Hilferufe erreichten die Öffentlichkeit am 06. Mai 2020.

Sie wühlten sich aus feuchten Gräbern – kürzlich Verstorbene und von Verwesung gezeichnete Leiber. Ihr Hunger war unstillbar. Sie fielen wie Heuschreckenschwärme über Dörfer her und jeder Biss in weiches, lebendes Fleisch nährte ihre Gier und füllte die widerlichen Reihen mit weiterem jagenden Tod.

Wie nimmt Deutschland den Ausbruch der Zombie Apokalypse auf? Wie gehen die Menschen damit um? Kämpfen sie oder geben sie auf?

Schildere deine Version von „Zombie Zone Germany – Der Beginn“ – ob melancholisch, heiter, grauenhaft oder blutig.

Wie immer können die Geschichten in ganz Deutschland spielen, sollten diesmal aber im Jahr 2020 angesiedelt sein, und sich an Leser ab 16 Jahren richten.“

(Quelle: https://amrun-verlag.de/zzg-ausschreibung/ am 02.30.2020.)

Ja was hätte ich denn machen sollen? Wer mich kennt weiß, dass ich ein ganz kleines bisschen wettbewerbsaffin bin. Hinzu kam, dass ich, seit ich die wunderbare Susanne Pavlovic aus ihrem „Feuerjäger 1: Die Rückkehr der Kriegerin“ habe lesen hören und das wunderschöne Logo des Verlages gesehen habe, auch mal dort etwas unterbringen wollte.

Diese Logik mag sich vermutlich nicht vielen Menschen erschließen, macht aber nichts. Wichtig ist, ich wollte gern irgendwie zu Amrûn!

Eine Zombie-Geschichten-Ausschreibung also. Hm. Ich mag es ja bekanntlich nicht gern allzu blutig. Aber sollte ich mich etwa von so einer Kleinigkeit aufhalten lassen?

Ich setzte mich hin, leerte meinen Kopf und füllte ihn mit Zombies. Der Beginn. Alles noch ganz frisch. Kennt man ja. World War Z, Walking Dead und so. Jetzt aber bitte doch mal ganz anders, ja? 
Hm. Und schon war da eine Idee…

Ein Zombie-Geschichten-MindMap. So mag es in meinem Kopf damals ausgehen haben…

Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwie habe ich eine Zombiegeschichte geschrieben – meine dritte irgendwie-Horror-Geschichte überhaupt – und sie wird in der Anthologie erscheinen!

Sie trägt den aussagekräftigen Titel

WODKA UND DIE DORNENVÖGEL

Pünktlich zur Leipziger Buchmesse, wie sich das gehört. Ich freue mich sehr darauf, mir ein Exemplar direkt am Stand abzuholen und auf einige der Mit-Autoren*innen zu treffen. Wer Lust hat, sich das Buch zu kaufen und direkt von zig Autoren*innen und der Herausgeberin signieren zu lassen, bitteschön:

Ich freue mich auf Euch und die lieben Kollegen*innen. Und das Buch. Mit Zombies drin. Wer hätte das gedacht? 🙂

Meine weiteren Termine auf der LBM 2020 findet Ihr hier:
https://monika-loerchner.de/termine

Kaffee mit Michel und Shevon

Ich freue mich sehr, Euch berichten zu können, dass heute, am 13. November 2019, das Debüt meines lieben Kollegen Michael Knabe im Hybrid Verlag erscheint: „Shevon“, der erste Teil der großen Flüchtlings-Chroniken.

Sieht klasse aus, oder?

Klappentext

Regul beugte sich vor, bis sein Gesicht nur eine Handbreit von Shevons entfernt war. Sein Lächeln grenzte an Koketterie.
„Ich werde dir jeden einzelnen Tag zur Hölle machen.“

Binnen weniger Tage bricht Shevons privilegiertes Leben in sich zusammen. Seine Heimatstadt wird zerstört und seine Familie ermordet. Auch ein ehemaliger Ziehbruder hat noch eine Rechnung offen und plant ihn zu töten. Will Shevon der Rache entkommen, muss er sich seinem Todfeind stellen – und einer alten Schuld.
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Ich kenne Michael schon länger, und zwar über das DSFo, das Deutsche Schriftstellerforum. Dort werden regelmäßig Schreibwettbewerbe abgehalten – und ratet mal, wer da schon sehr oft auf dem Siegertreppchen gelandet ist?
Genau: Michael Knabe.
Und auch seine anderen Geschichten gefallen mir immer außerordentlich gut; daher freue ich mich umso mehr, dass er jetzt endlich einen Roman heraus bringt.
(Eine andere Person aus dem Forum, die auch schon oft gewonnen hat und auf deren Debütroman ich sehnsüchtig warte, ist Veith Kanoder-Brunnel. Veith: Sieh das hier als A*schtritt! 😉 )

Grund genug also, Euch Michel und seinen Shevon einmal vorzustellen. Da Michael Psychotherapeut ist, wollte ich mir einen kleinen Kniff nicht nehmen lassen: Statt nur ihn, habe ich auch Shevon zum Interview eingeladen. Wie die Beiden miteinander agieren lässt wirklich tief blicken … 😉

So sieht er also aus, der seriöse Phantastik-Autor von heute 

Ich sitze in einem Café. Hintere Ecke, so dass ich die Tür gut im Blick habe. Ich überlege gerade, ob es arg unhöflich wäre, mir schon einmal einen Kaffee zu bestellen, als sie hereinkommen: Ein junger und ein nicht mehr ganz junger Mann. Der eine ist schlank, groß und wirkt entspannt und sympathisch. Der andere ist zwischen fünfundzwanzig und dreißig Jahre alt – schwer zu schätzen. Sein Gesicht wirkt vor der Zeit gealtert, seine Blicke huschen durch den Raum und scheinen jedes Detail zu erfassen.
Wir begrüßen uns, erkundigen uns nach dem gegenseitigen Befinden. Die Herren nehmen mir gegenüber Platz. Michael bestellt eine riesige Kanne schwarzen Tee („Bitte mit viel Milch“), ich einen Kaffee und Shevon ein Glas Wasser und einen heißen Reisfladen mit roter Sauce, deren scharfer Peperonigeruch selbst auf meiner Tischseite in der Nase beißt. Michael und ich plaudern ganz kurz privat, dann zücke ich Block und Stift – wir sind ja nicht zum Spaß hier!

Wer schreiben will, muss lesen.

Ich: Hallo, Ihr zwei, schön, dass Ihr da seid! War gar nicht so einfach, einen Termin zu finden!

Michael: Stimmt. Der EDV-Ausfall in meiner Praxis hat mich gut beschäftigt gehalten und meine Termine sind oft auf Monate hinaus ausgebucht. Und dann musste ich ja noch Shevon an den Hörer bekommen, der sich irgendwo in der Weltgeschichte herumgetrieben hat, oder, Shevon?

Shevon: Das war nicht meine Wahl. Ich würde auch lieber in einer gemütlichen Praxis sitzen und mir die Probleme anderer Leute anhören, anstatt vor einem Diktator davonzulaufen.

Ich: Stellt Euch doch bitte kurz vor: Wie alt seid Ihr, was seid Ihr von Beruf, woher kommt Ihr?

Michael: Ich nähere mich in erschreckendem Tempo der 50. Die grauen Haare sind aber so etwas wie Berufskapital – in meiner Psychotherapiepraxis stört es überhaupt nicht, kein Jungspund zu sein. Wenn ich keine Patientengespräche führe und auch keine Therapieanträge warten, schreibe ich. So haben Shevon und ich uns damals kennengelernt.

Shevon: Erinnere mich nicht daran! Unser erstes Treffen führte dazu, dass ich mit faulen Eiern beworfen wurde. Ist schon ein paar Jahre her. – Könnte ich vielleicht den Platz in der Ecke mit Blick in den Raum haben? Danke. – Mein Name ist Shevon Madrim al Yontar. Ich bin sechsundzwanzig, stamme aus Raydur, der Hauptstadt Levanons, und bin der Sohn des obersten Zensors der Republik. (Zögert) Gewesen.

Levanon – Shevons Heimat

Ich: Öh, dieses Land oder diese Stadt sagen mir jetzt so gar nichts! Wie ist es da so? Und dieser Name … Bist Du adelig oder sowas?

Shevon: Ja, ich stamme aus dem Patriziat und meine Familie war lange eine der mächtigsten Levanons. Du findest meine Heimat ziemlich genau in der Mitte des unermesslichen Inselrundes. Größer sind nur noch das Königreich Sabinon und ein paar beinahe unbewohnte Wüsteninseln im fernen Osten. Raydur … ach, lassen wir das. Ich möchte nicht über Raydur sprechen.

Ich: OK. Und woher kennt Ihr euch?

Michel: Nun, es begann mit einer anderen Geschichte, die hier nichts zur Sache tut. (Flüstert hinter vorgehaltener Hand) Ich habe Shevon als älteren Herrn kennengelernt, aber sag ihm das lieber nicht. (In normaler Lautstärke:) Meine erste Begegnung mit ihm kannst du auf meiner Homepage nachlesen: www.michaelknabe.de Danach habe ich ihn erst einmal aus den Augen verloren.
Anfang des Jahrtausends war ich auf Teneriffa zum Wandern, immer im Schatten des Teide, dieses fast 4000 Meter hohen Vulkans. Diese Wanderungen und die Geschichte der Ortschaften im Schatten des Bergs ließen eine Idee reifen: Was wäre, wenn auch im Inselrund, meiner Geschichtenwelt, eine Stadt durch einen Berg verschüttet würde? Ich begann …

Sieht Shevon tatsächlich ähnlich, der junge Herr hier.

Shevon: Ach jetzt verstehe ich! Du hast meine Geschichte nur aufgeschrieben, um eine Katastrophe …

Michel: Nein, wie ich schon sagte, es gab dich schon früher. Jedenfalls machte die Idee sich selbständig, nachdem ich im Internet stundenlang Filme über Naturkatastrophen gesehen hatte. Es sollte kein mittelalterliches Königreich sein, aber aus was für einem Land konnte der Held meiner Geschichte kommen? Irgendwie tauchten dann die Säulen einer römischen Metropole auf. Der Rest ist Geschichte. In diesem Falle: Antike.

Shevon: Das erste, woran ich mich erinnere, ist, dass ich in einem Liegestuhl auf Tante Ryas Landgut liege. Nein, lass mich überlegen: Das Frühstück, bei dem mir die Tante von Regul erzählte? (Schaudert) Ja. Der Tag, an dem Regul in mein Leben einbrach wie eine Naturgewalt. Das wirkt bis heute nach.

Ich: Habt Ihr irgendwelche Gemeinsamkeiten? Was macht Ihr so in Eurer Freizeit?

Michel: Schreiben. Karten zeichnen. Über das nächste Buch grübeln. Zu viele Nachrichten über den Brexit lesen. Ich habe ein knappes Jahr in Schottland verbracht und Verwandte in England, da lässt mich das Drama dort nicht kalt. Hausaufgaben (meines Sohnes). Lesen: Tana French (Krimis), Robin Hobb (unsere gemeinsame Fantasy-Liebe, nicht wahr?), die Red Rising-Reihe oder die Cixin-Liu-SciFis. Kontemplatives Unkrautzupfen im Garten, vor allem nach anstrengenden Therapiegesprächen.

1, 2, 3, 4 … viele Inseln. Die Geschichte zur Karte gibt es auf Michaels Autorenseite unter https://www.michaelknabe.de/

Shevon: Ich habe keine Freizeit. Wenn ich nur einen Augenblick stillhalte, kann es sein, dass meine Feinde mich erwischen. Das ist ihnen schon einmal gelungen. (Schüttelt sich)

Ich: Als Schriftsteller und Romanhauptprotagonist verbringt Ihr ganz schön viel Zeit miteinander. Hand aufs Herz: Gibt es etwas, das Euch am jeweils anderen nervt oder das der Andere besser machen könnte?

Michel: Nerven? Shevon hat manchmal zu viel von mir selbst. Er grübelt, er war anfangs nicht gerade der mutigste Mensch der Welt, er hat vieles von seinem Luxus für selbstverständlich gehalten. Aber mein Bild hat sich sehr gewandelt. Shevon, wie Du Gefahren gemeistert hast, bei denen ich mir in die Hose gemacht hätte …

Shevon: Danke, dass du wenigstens darüber nicht geschrieben hast. (Zwinkert) Was ich an meinem Erfinder mag? Das er nicht lockergelassen hat. Er hat nämlich schon einmal versucht, mich zu schreiben, und ist gescheitert. Und was tut er? Nimmt den nächsten Anlauf, holt sich ein wenig Unterstützung für den Anfang – und schreibt fertig. Ich rechne ihm hoch an, dass ich mein Leben nicht in der Schublade fristen muss.

Andererseits nervt es, welche Marotten er mir verpasst hat. Ich hätte ja wenigstens ein kleines bisschen mutiger sein können, etwas, hm, männlicher oder so. Und durch welche Hölle er mich jagt, das werde ich ihm so schnell nicht verzeihen.

Michel bei der Arbeit.

Ich: Seid Ihr Freunde? Falls ja, was gefällt Euch am jeweils anderen?

Michel: Von meiner Seite auf jeden Fall. Ich habe bei jedem Schritt, jeder neuen Gefahr mitgefiebert und war völlig begeistert, wenn Du wieder ein Abenteuer bezwungen hattest.

Shevon: Ich weiß nicht. Einerseits hat er immer zu mir gehalten und dafür gesorgt, dass ich meinen Feinden erst einmal entkommen bin. Er hat mir den besten Lehrer und ein paar pikante Abenteuer auf den Weg gegeben. Andererseits – er bestimmt und ich folge, das ist doch keine wirkliche Freundschaft, oder? Aber das bin ich ja gewöhnt. Mein Vater war auch nicht anders.

Michel: Moment mal, dein Vater war ein eiskalter Machtmensch!

Shevon: Wie auch anders? Er ist Patrizier, da wirst du von klein auf gedrillt, für die Ehre der Familie zu funktionieren. Und ich funktioniere eben für deine Geschichte.

Michel (entschuldigend): Heute ist er fast schon beängstigend gut gelaunt …

Wo sind meine Hexenherzbücher? Frechheit, sowas …

 

Ich: Seid Ihr eigentlich Familienmenschen?

Michel: Da müsste ich Frau und Kind fragen, aber das Bild von mir selbst habe ich schon, ja.

Shevon: Echt? Da hast du ja ein paar schöne Familien zusammengeschrieben. Oder findest du Reguls Sippe etwa gelungen? Oder meine Verwandten in Sosua? Oder Shusa, diese …

Michel: Die al Gireds sind keine Familie, sondern ein dissozialer Verbrecherclan, eine römische Mafia. Aber du musst mir zugestehen, dass du immerhin einen interessanten Gegner bekommen hast. Einen faszinierenden.

Shevon: Auf diese Faszination hätte ich gern verzichtet. Der Kerl ist doch schon lange nicht mehr richtig im Kopf! Krank ist der, aber richtig. Sonst wäre das mit dem Boot nie passiert, oder mit dem von allen Göttern verdammten Baumstamm. Oder Frösche sezieren, wer tut denn so etwas? Ein schöner Familienmensch bist du! (Auf den ersten Blick scheint er aufrichtig empört, aber irgendwo in seinen Augenwinkeln blitzt der Schalk auf.)

Ich: Soll das heißen, Shevon, dass Du lieber allein bleibst? Bist Du eigentlich Single?

Shevon (starrt ins Leere): Das ist gar kein gutes Thema. (Rafft sich auf) Sagen wir, dass ich den Frauen, mit denen ich zu tun hatte, kein Glück gebracht habe. Gar kein Glück. Und dass ich mich bis ans Ende meines Lebens dafür schuldig fühlen werde.

Michel: Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun: Du bist da aber auch in ein Machtspiel hineingeraten, das ein paar Nummer zu groß für dich war.

Shevon: Und niemand hat mir wirklich erklärt, worum es geht. Nun, ändern kann ich es nicht mehr. Nur versuchen, beim nächsten Mal wacher zu sein. Und weniger … stürmisch?

(Michel schmunzelt)

Ich: Wie wird es denn bei Euch weitergehen, was meint Ihr?

Michel: Oh, ich denke, wir werden noch ein ganzes Stück Weg zusammen gehen und dabei eine ganze Reihe anderer Inselreiche kennenlernen. Das Ticket für die nächste Fahrt hast du ja bereits gelöst, oder?

Shevon (säuerlich): Ich freu mich schon darauf, was du dir für mich einfallen lässt. Aber ganz im Ernst: Ich habe mir immer gewünscht, das Inselrund kennenzulernen. Die Goldene Stadt, den nebligen Norden, die Reiche an der Grenze zum Osten … Mal sehen, was du noch aus dem Hut zauberst. Ich bin jedenfalls dabei.
Aber jetzt muss ich zum Hafen, das Schiff wartet. Zahlst du den Fladen für mich?

Und weg ist er. Ich schätze, das war`s mit unserem Interview. Michael wirft mir einen um Entschuldigung heischenden Blick zu, legt einen Geldschein auf den Tisch und läuft Shevon hinterher. Ich kann es ihm nicht verübeln – wer weiß, wann sich die Beiden wieder sehen?

Und jetzt sitze ich hier und warte darauf, das „Shevon – Die Flüchtlingschroniken I“ bei mir eintrifft.
Wer genauso gespannt ist wie ich und richtig Bock auf gute Fantasy hat, kann das Buch überall erwerben, vorzugsweise direkt beim Verlag (https://hybridverlagshop.de/SHE.html) oder beim Buchhändler um die Ecke (https://www.genialokal.de/).

Wer?

Mit „Die Tote in der Tränenburg“ (ALEA LIBRIS) erschien kürzlich mein dritter Roman, der in der Hexenherzwelt spielt.
Zeitlich ist er ein paar Jahre vor „Hexenherz – Eisiger Zorn“ angesiedelt, nämlich 2010. „Eisiger Zorn“ beginnt im Jahr 2004, springt dann aber nach 2016. In „Glühender Hass“ ist es dann 2018.

Ist es nicht wunderschön? 🙂

Schon länger habe ich mit der Idee gespielt, eine Art Personenverzeichnis zu erstellen. Viele Schriftsteller/innen legen für ihre Hauptcharaktere ein solches Verzeichnis an, erstellen einen Steckbrief und tragen alles Wichtige ein, um immer wieder darauf zurückgreifen zu können.

Diese Arbeit hatte ich mir bisher erspart, einfach, weil es verdammt viel Arbeit ist und ich sie für überflüssig gehalten habe.
Mittlerweile allerdings nimmt die Anzahl der Personen in meinen Büchern Überhand. Da meine Geschichten in der selben alternativen Gegenwart und auch immer zum Teil in Marburg aka Annaburg spielen, kommen auch Nebencharaktere jetzt wiederholt vor. Als nun der Vertrag für das nächste Hexenherz-Buch beim wunderbaren acabus-Verlag ins Haus flatterte, wurde aus der Idee eine Notwendigkeit: Langsam drohe ich, den Überblick zu verlieren!

Nach dem Buch ist vor dem Buch. 😎

Also begann ich, ein Personenverzeichnis anzulegen. Ein spoilerfreies, wie ich betonen möchte. Wie oft habe ich mich schon geärgert, wenn ich etwa eine Serienfigur gegoogelt habe und fand dann in einer tabellarischen Übersicht so etwas wie „Grandelbar Wieselflink, Elfenhändler, Staffel 1-3.05 (+)“ – nicht witzig!
Also spoilerfrei.
Und dann sammelte und sammelte ich. Ich mache keine Unterschied zwischen Haupt-und Nebenfiguren, da man janie weiß, wie sich die Dinge entwickeln.
Manches habe ich weggelassen, eben damit spoilerfrei, und ein paaar namenlose Gestalten bleiben gänzlich unerwähnt.
Ich habe mich bemüht, jeden zu erfassen, der eine Rolle spielt. Das ist für mich als Schriftstellerin eine wunderbare Gedankenstütze („Sooo, jetzt bräuchte ich mal eben eine Gardistin in Annaburg …“) und kann den lieben Lesern ja nun auch nicht schaden, wenn z.B. einige Zeit zwischen den Büchern verstrichen ist.

Auf jeden Fall war ich sehr erstaunt, wie viele Protagonisten sich in den drei Romanen schon angesammelt haben!
Ich bemühe mich, die Liste aktuell zu halten. Und spätestens, wenn im Herbst 2020 das nächste Hexenherz-Buch erscheint, kommt der nächste Schwall hinzu! 🙂